G8 vorbei – und jetzt?

Monet

Obwohl ich mich eigentlich raushalten wollte, schließe ich mich dem Diskurs um die rund um das Treffen der G8 und die Proteste gegen deren Politik an. Anlaß ist eine Diskussion unter intellektuellen Linken in der Uni Anfang dieser Woche, bei der ich dabei warKern der Debatte war, dass man sich:

  1. Gegen der Vorwurf der Inhaltsleere vehement wehrt, indem man auf Diskussionen und Vorträge in den Camps verweist
  2. Über die Propaganda in den Massenmedien echauffiert, weil man dort den Versuch, polizeiliche Repressionsmaßnahmen zu legitimieren zu erkennen meint. Zeitschirften und Fernsehen würden intentional Ängste vor Linksextremen bzw. dem Schwarzen Block schüren.

Tatsächlich finden sich Hinweise auf so eine Absicht, z.B. in der aktuellen Ausgabe der Illustrierten „Focus“. Dort schreibt Chefredakteur H. Markwort auf Seite 1 im sog. „Tagebuch“:

Die Ereignisse haben leider bestätigt, dass der teure Aufwand (Anm. des Verfassers: Gemeint sind die vielen Polizisten, der Sicherheitszaun, die Luftbildaufnahmen der Tornados usw.) notwendig war. Wirklich peinlich vor den Augen der Weltöffentlichkeit wäre es gewesen, wenn die Gegner des Gipfels das Treffen der demokratisch gewählten Regierungschefs hätten blockieren und verhindern können.

Focus 24/2007Aber obwohl Markwort hier ganz klar versucht, falsche polizeiliche Taktiken und Gewalttaten als erwünscht darzustellen, hat er nicht ganz unrecht. Die Regierungschefs müssen sich ungehindert treffen dürfen. Gegen ihre „Herrschaft“ mit Gewalt zu demonstrieren ist nur dumm. Meines Erachtens ist es jedoch die eigene Schuld der politischen Elite (in diesem Fall der deutschen Regierung unter Schröder – denn diese hat sich damals Heiligendamm als Tagungsort ausgesucht) dass es soweit kommen konnte. Eigentlich ist für solcherlei Treffen der Petersberg vorgesehen, welcher leicht abzuriegeln ist. Dort hätte man die Aggressionssymbole (Zaun) nicht gebraucht. Dort wäre der Protest nicht mit solcher Schärfe vorgetragen worden.Andererseits kann ich einen wahren Kern an der Formulierung „erlebnisorientierte Jugendliche“ finden. Die Proteste direkt um Heiligendamm hatten den Charme eines Festivals. Die Beteiligten waren oftmals Jugendlich, deren eigentliche Motivation wohl eher nach dem Motto „Yeah, jetzt mach‘ ich mal richtig politische Aktion!“ und die sich im Vorfeld keine Vorstellung über Probleme bei der Organisation z.B. der Infrastruktur oder der Versorgung gemacht haben. Die Demonstrationen um Heiligendamm, inklusive Camps, Konzerte, Vorträge usw. müssen doch ebenfalls ein Heidengeld verschlungen haben. Ihre Wirkung beschränkt sich darauf, dass

  1. Dass durch die einseitige und oft falsche Berichterstattung jetzt vermutlich mehr Bundesbürger den „Polizeistaat“ befürworten als noch vor dem G8 – Gipfel.
  2. Die polizeilichen Repressionen gegen linke zivilgesellschaftliche Organisationen zunehmen.
  3. Die Linke noch mehr als früher zum Sammelbecken für Gewaltbereite wird.

Diese Gewaltbereiten finden bei den Demonstrationen gegen den Polizeistaat, den sie selbst herausforden und nicht besiegen können, eine Plattform. Sie werden bestätigt durch die mediale Öffentlichkeit und die bunten Bilder in den Illustrierten. Diese heizen nicht nur die Angst vor den Autonomen an, sie sorgen auch für neuen Zulauf in den Reihen des Schwarzen Blocks und eine Konsolidierung desselben. Der Selbstwert der Autonomen, der im Alltag z.B. durch materielle Armut gefährdet wird, steigt wieder im Angesicht der Massenmedien, die sich ihrerseits auf die aufregenden Steinewerfer stürzen. Dadurch kann eine Spirale der Gewalt entstehen, die nach ständiger Steigerung der „Dosis“ verlangt. Man darf gespannt sein, was in den nächsten Wochen geschieht.

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