Das Ende der Natur

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Foto: Abfälle einer Phosphat-Fabrik

„Wir haben die Erde nur geliehen … aber von zurückgeben hat keiner was gesagt.“Otto Waalkes

Seit 30.000 Jahren gibt es den sprach- und vernunftbegabten Mensch. Er macht eine Besonderheit in der Natur aus, aber warum eigentlich? Weil er ein Bewußtsein entwickelt hat, weil er rational denkt bzw. sogar weise ist?

Eigentlich ist es doch ziemlich vermessen, die eigenen Eigenschaften hochzuhalten, und die der anderen als minderwertig zu beurteilen. Ein Zitronenbaum könnte doch auch behaupten, er habe eine hervorgehobene Stellung in der Natur. Und zwar, weil er es als einziges belebtes Wesen der Welt geschafft hat, Zitronen zu entwickeln.

Aber nein, wir sind etwas Besonderes. Unsere Geschichte währt 30.000 Jahre, wie bereits erwähnt. Und in den letzten, na sagen wir mal 150 Jahren haben wir es zu erstaunlichen technischen Leistungen gebracht. Telekommunikation, Raumfahrt, Atomkraft, Genetik und so fort. Und erst seit wir diese Mittel haben, können wir einen analystischen Blick auf uns und unsere Umwelt richten. Die erste Globalisierung war es, als wir es zum ersten Mal geschafft haben, die Erde „von Außen“ zu fotografieren. Und eben seit diesen 150 Jahren haben wir nichts anderes zu tun, als uns und unsere Welt „rational“ zugrunde zu richten. Die industrielle Tötung und die systematische Ausbeutung ganzer Kontinente gibt es erst seit der fortschrittlichen globalen Vernetzung. Unsere Weisheit wird unser Untergang sein. In unserer kultivierten und angepassten Welt noch von „Natur“ zu sprechen ist der blanke Hohn. Wir haben es mit dem Ende der Natur zu tun. Aber man weiß das. Zum Beispiel die Jungs und Mädels von Move against G8 haben gepeilt worum’s geht.

Denken sie jedenfalls, aber statt etwas dagegen zu unternehmen werden durch angemietete Halb- & Vollspacken wie Chumbawamba und Jan Delay die Diskurse um Klima und Ausbeutung zu einer Popkampagne gemacht. Das Engagement der Bewegten beschränkt auf einen Konzertbesuch oder eine Zugehörigkeitserklärung. Und die kann dann zum Beispiel so aussehen:

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Es mag ja sein, dass ich ein Korinthenkacker bin, aber diese Armbänder verrotten in 1.000 Jahren nicht, die Logistik für Konzertbesuche verpesten die Umwelt genauso wie ein Kohlekraftwerk und von der Forderung nach „mehr Geld für Afrika“ und dessen etwaiger Umsetzung hat niemand etwas. Denn die Kohle versickert im Sumpf namens Korruption, und der wird solange bestehen bleiben, wie es an langfristigen Entwicklungsprojekten mangelt.

Klar, eigentlich darf ich garnicht schimpfen. Ich bin ja nicht besser, Ok, es tut mir leid, ich gestehe: Ich unternehme auch nicht viel. Vielleicht könnte meine Wohnung besser isoliert sein, um Heizkosten zu sparen, vielleicht sollte ich meinen Müll gewissenhafter trennen oder weniger Zeitungen kaufen, um nicht unnötig Papier zu verschwenden. Aber ich glaube eigentlich nicht, dass es an diesen Dingen liegt.

Die, in Australien bereits durchgesetzte, Verpflichtung zum Wechsel auf Energiesparlampen ist wichtiger. Die Verlagerung aller privaten Geldanlagen auf ethisch – ökologische Banken ist wichtiger, die (verbindliche) Besteuerung des Kerosins, die Einführung einer „Mehrwertsteuer“ von zum Beispiel 0,01% auf internationale Finanztransaktionen und so weiter.

Ich mag den Slogan „Eine andere Welt ist möglich“, unter dem sich heute viele Menschen zusammenfinden. Ihre Art und Weise der politischen Handlungen aber finde ich zum Kotzen.

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