Wettbewerbe im Wissenschaftsbereich. And the winner is: Oldenburg

Oldenburg wird 2009 die deutsche „Stadt der Wissenschaft“ sein. Vor drei Jahren hat Oldenburg schon einmal Anlauf genommen, ist aber in der Vorrunde ausgeschieden. Dieses mal wurde mit großen Eifer und Ernst an der Bewerbung gearbeitet, und diese Arbeit macht sich nun bezahlt. Insgesamt wurden 16 Projekte in das Programm aufgenommen, die nun mit einer Summe von 250.000 Euo gefördert werden. Wichtiger als das Geld dürfte allerdings der relativ prestigeträchtige Titel sein, der nun schon zum fünften Mal vergeben wird. Schon zum dritten Mal trägt nun eine norddeutsche Großstadt Titel. Vergangene Wissenschaftsstädte waren zum Beispiel Bremen und Braunschweig, aber auch Jena und Dresden.

Das Oldenburger Konzept will offen für Ideen aus der Studierendenschaft und der Bevölkerung sein. Während der Bewerbung wurde auf den Plakaten ganz explizit mit dem Imperativ „Mach mit!“ geworben. In sog. „Ideenschmieden“ sollen ganz unterschiedliche Akteure gemeinsam Konzepte erarbeitet haben.

Das Interesse der Studierenden (und der Stadtbevölkerung?) hält sich aber in Grenzen. Von den Oldenburger Blogs berichtete bisher keines über den Wettbewerb. Die NWZ befördert das Thema am heutigen Freitag auf die Titelseite ihrer Printausgabe. Aber die Onlineredaktion der Lokalzeitung schreibt nichts über den gewonnenen Titel (oder sie ist schlicht wieder einmal zu langsam). Einige Studierend/e beschweren sich über das Event-Getöse des Wettbewerbs, der nicht dem eigenen Anspruch an Wissenschaftlichkeit/Nüchternheit gerecht werde. Aber in einem Seminar der Politikwissenschaften an der Universität Oldenburg mit dem Thema „Bürgerpartizipation: ‚Politik von unten'“ im WS o7/08 wusste kein/e Studierende/r über den Wettbewerb Bescheid.

Die Abkopplung des Wettbewerbs von den eigentlichen Akteuren der Wissenschaftsstadt Oldenburg, also den Studierenden, ist dabei wahrscheinlich nicht bei den Organisatoren und Designern der Bewerbung zu suchen. Sie haben viele Teilnahmemöglichkeiten eröffnet, beispielsweise ein Forum auf der Internetseite der Oldenburger Bewerbung, in dem Projektideen veröffentlicht werden konnten. Die Termine der „Ideenschmieden“ waren öffentlich und lange vorher bekannt.

Der Wettbewerb stellt für alle Studierenden (immer noch) eine hervorragende Möglichkeit dar, eigene Ideen und Wünsche zu realisieren. Dass es sich dabei um einen Wettbewerb handelt, dürfte nur diejenigen abschrecken, die noch nicht begriffen haben, dass sich nicht ausschließlich die Wirtschaft wettbewerbsförmig ausrichtet. Vielmehr ist der Wettbewerb in alle Lebensbereiche eingedrungen und der Kapitalismus vom Marktprinzip zur Lebensweise und zum handlungsleitenden Prinzip mutiert.

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