Vampirischer Kapitalismus

„Marx hatte die Kräfte des Kapitalismus als vampirisch bezeichnet“ weil sie „versuchen alles Lebendige der Wertform zu unterwerfen.“1 In der Wertform erscheint das Lebendige nicht mehr als fleischig-blutiges Lebewesen, sondern als kalte, „tote“ Masse, die vom Kapitalismus penetriert wurde.

Wenn ich heute versuche, die Pole Kapitalismus und Vampirismus zusammenzubringen, so muss ich versuchen, folgendes Problem zu beachten. Kapitalismus bedeutet Rationalität ohne Mythos, oder? Man setzt verschiedene Anbieter einer Ware (Und ganz nebenbei: Alles ist Ware, selbst deine Gesundheit2) in Konkurrenz zueinander. Der Vampir ist dagegen eine mythische Gestalt, sie existiert nicht und ist Fiktion. Und beide Konzepte sind haben wir uns ausgedacht.

Wir sind Menschen. Einige Menschen behaupten, dass unsere Religionen durch den Kapitalismus abgelöst wurden. Früher konnte uns der religiöse Glaube durch das Versprechen des ewigen Lebens im Jenseits über das Wissen um die eigene Sterblichkeit hinwegtrösten. Heute sieht die ganze Sache anders aus. Wie gesagt, behaupten manche, dass die Bewohner der westeuropäischen Länder heute weniger religiös sind als früher. Wenn wir annehmen, dass das stimmt, dann lässt uns vermutlich heute etwas anderes als die Religion den sicheren Tod vergessen.

Der Kapitalismus verspricht uns einiges: Ein tolles Auto, die „besten“ Wohnungen (zum Beispiel am Prenzlauer Berg), zu jeder Saison das passende Outfit, Wellness-Urlaub in der Südsee, jeden Tag eine neue Innovation – alles im Dienste des Konsumenten. Die Versprechungen der diesseitigen Welt lassen das Wissen um den eigenen Tod zur Ahnung werden – oder verniedlichen es zum neuerlichen Konsumspaß. Der vampirische Treibstoff des Kapitalismus besteht heute aus 2 Komponenten:

  • Wachstum als Verheißung: Du kannst des Tod vergessen, denn der Kapitalismus erlaubt dir, einen großen Teil der Welt zu konsumieren.
  • Die Welt aussaugen: Du kannst z.B. Kontinente erobern, und den Boden (oder das „Humankapital“ in finanzielle Energie umwandeln.

Diese beiden Elemente führen bei den „verwandelten“/“infizierten“/vampirischen Menschen zu seelischer Unruhe, weil erstens ihr metaphysisches Bedürfnis – eine anthropologische Konstante (?) – unbefriedigt bleibt und sie eine beschleunigte Zuführung des Treibstoffes brauchen.

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  1. Sehr interessanter Artikel.
    Stimme mit dir überein.

  1. 1 … dass man Geld nicht essen kann « Denktagebuch

    […] sich manche Menschen den Magen verkleinern, weil sie einfach nicht aufhören können, zu viel zu fressen. Aber auch hier gibt es Klimaflüchtlinge – allerdings als Luxusproblem: Wo soll ich mich […]




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