Studienfach Alkohol?

Studentische Trinkrituale mögen eine lange Tradition haben. In den Zeiten von Studiengebühren macht regelmäßiges Trinken die 500 Euro aber zu einem ziemlich riskant angelegten Kapital. Wer viel trinkt vergisst gelernte Inhalte schließlich schneller als Abstinenzler. Natürlich muss man die Gründe für eine zugenommenen Alkoholgenuss unter Studenten klären. Liegt es vielleicht daran, dass die Universitäten die Schrauben angezogen haben und ihre Studenten möglichst schnell durch das Studium schleusen wollen? Aufgestauter Leistungsdruck, der sich als unverschämter biergeschwängeter Rülpser aus lernfaulen Studentenmündern entlädt? Der Leiter der Psychosozialen Beratungsstelle (PSB) an der Uni Oldenburg meint: „Viele denken: Ich muss schnell mit dem Studium fertig werden, sonst habe ich beruflich keine Chance.“

Wahrscheinlich ist der Hinweis darauf, dass Studenten sich schon seit langer Zeit gern und gerne auch im Übermaß die Kante geben, eher überflüssig. Mit solchen Anmerkungen (Jugendliche Gewalt gab es auch schon immer, Kriege sowieso, Klimaveränderungen auch und zu jeder Zeit hat irgendjemand vorgehabt, sich zum Weltherrscher aufzuschwingen) trifft man niemals den Kern der Sache. Nein, dieses Problem kann man mit einem anderen Hinweis angehen, dieses mal einem auf die die noch ganz junge Vergangenheit: Ein großer Teil der alkoholisierten Studenten ist gerade in den ersten Studiensemestern, es handelt sich also um etwa Achtzehn- bis Neunzehnjährige, deren erster Kontakt mit Alkohol einer von diesen klebrig-süßen Alcopops gewesen sein dürfte. Insbesondere in Oldenburg kommt das „Frischfleisch“ aus einem eher ländlichen Einzugsgebiet, dass, jede/r mit Erfahrungen im ländlichen Raum dürfte das wissen und nachvollziehen können, für die ausgelassenen besoffenen Jugendlichen berühmt ist. Die eingeübten Trinksitten werden dann einfach auf dem Campus fortgesetzt.

Dass Uni-nahe Apothekem in Prüfungszeiten mehr Psychopharmaka verkaufen dürfte niemanden stutzig machen. Es ist doch direkt selbstverständlich, dass Prüfungen Stress hervorrufen, und Menschen, die von Kindheit an daran gewöhnt sind, ihre psychosoziale Stabilität mittels Medikamenten wieder aufzurichten, dieses Vetrhalten auch im Erwachsenenalter noch aufweisen. Determistisch gesehen: Wenn eine/r schon früh einübt, dass er oder sie für das seelische Wohlbefinden überhaupt auf die Pharmaindustrie angewiesen ist (Vgl.: Die bekannte Verschreibungswut der Ärzte bei angeblicher ADHS, „Ritalin“) dann wird der Griff in die Produktpalette der Uniapotheke doch schon selbstverständlicher.

Um es noch einmal zu generalisieren: Meines Erachtens sind die Ursachen für einen gestiegenen Drogenmissbrauch unter Studenten nicht nur in den stetig wachsenden Anforderungen einer auf Leistung fixierten Gesellschaft zu suchen. Wenn dieser Anstieg tatsächlich evident ist, dann ist sein Ursprung eher in den wirtschaftlichen Prinzipien der Waren und der Produktion zu suchen …

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