HEP V beschlossen – Universität Bremen diskutiert mögliche Folgen

Der AStA der Uni Bremen und engagierte Studierende haben es sich auch beim Finale des Streites um die Implementierung des sogenannten Hochschulentwicklungsplan V (HEP V) nicht nehmen lassen, ihrem Unmut kreativen Ausdruck zu verleihen. In der Vergangenheit wurden Senatssitzungen gesprengt, dieses Mal haben sie dem Bremer Rektorat Krone und Szepter überreicht. Das Rektorat soll bei der Entscheidungsfindung am Willen der Mitglieder der Universität vorbei ein Programm beschlossen haben, dass viele kleine Fächer diskriminiert und für manche das Ende bedeutet. Der neue Etat der Universität fällt nun erheblich schlanker aus, rund 10.000.000 Euro wurden gekürzt.

Der AStA hat zwei Jahre gegen den Sparplan gekämpft und versucht, die Studierenden zu mobilisieren. Jetzt wurde der Plan ohne den Senat beschlossen – für den AStA Ausdruck eines Demokratiedefizits. Der Rektor, Professor Dr. Wilfried Müller, sieht das freilich anders. Für ihn verheißt HEP V zukünftige Planungssicherheit darüber, welche Professuren besetzt werden können, und welche nicht. Fächerübergreifend fallen 10 Prozent der Professuren weg – betroffen sind Behindertenpädagogik und Weiterbildung. Andere Fachbereiche haben profitiert, zum Beispiel die Politikwissenschaften und die Geowissenschaften. Dass zeigt, dass nun auch die Universität Bremen hauptsächlich ihre international sichtbaren Kerndisziplinen ausbauen möchte, bspw. um in der nächsten Runde der „Exzellenzinitiative“ bestehen zu können.

Das sogenannte Aktivenplenum der Universität Bremen, in dem Studierende bis zuletzt versucht haben, HEP V doch noch zu verhindern, befürchtet aber, dass die inhaltliche Vielfalt der Universität durch die Kürzungen zerstört wird. Die Entwicklungen an der Universität Bremen gliedern sich in eine regionale (und nationale?) Entwicklung ein, in der für eine Qualifikation zum Exzellenzformat Strukturentscheidungen getroffen werden, die klar auf den Widerstand derjenigen treffen, die ein Interesse am Erhalt ihres Studienganges und Arbeitsplatzes haben.

Strukturell unterscheidet sich dieser Konflikt nicht so sehr von dem langjährigen Streit um die deutsche Steinkohleförderung, deren Einstellung im Januar 2007 gegen die Widerstand der Gewerkschaften endlich beschlossen wurde. Damit hat man sich eines Wirtschaftszweiges entledigt, der aus betriebswirtschaftlicher Sich sinnlos war, da er zuletzt nur noch durch Subventionen überleben konnte. Im Prinzip verhält es sich mit dem HEP V nicht anders: Auch hier streiten mehrere Interessengruppen um den Fortbestand oder die Abschaffung ihrer jeweiligen Objekte. Nur dass die Universität kein Kohleflöz ist, und das akademische Personal nicht untertage arbeitet. Bei der Universität kann es auch nicht entscheident sein, dass man das, was „hinten raus“ kommt, möglichst gewinnbringend auf den Markt bringen kann. Aber der „Nutzen“ der einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen wird gegenwärtig eher mit deren Potential zur wirtschaftlichen Verwendung umgerechnet.
Ob der HEP V vor allem negative Folgen haben wird, kann jetzt noch nicht sicher gesagt werden. Durch ihn können jetzt zwar auch neue Professuren besetzt werden, aber gleichzeitig werden so viele MitarbeiterInnen entlassen, das den übrig gebliebenen wahrscheinlich nicht mehr genug Zeit bleibt, eine exzellente Forschung und Lehre zu betreiben und auch noch die dringend benötigten Drittmittelanträge zu verfassen. Die Folge wird sein, dass immer weniger MitarbeiterInnen immer schneller arbeiten müssen, um immer mehr Studierende durchzubringen. Schon jetzt verzeichnet die Universität Bremen den höchsten „Akademisierungsgrad“ (INSM) in Deutschland – zukünftig sollen 40 Prozent eines Jahrganges ein Universitätsstudium absolvieren.

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