… dass man Geld nicht essen kann

Essen?

Die katastrophalen Nahrungsmittelpreise bedeuten für die meisten WesteuropäerInnen, dass sie einfach das doppelte für ihre Einkäufe zahlen müssen. Bei dem ca. einstelligen prozentualen Anteil, den die Menschen hier von ihrem Einkommen für Lebensmittel aufwenden, ist das wahrscheinlich nicht weiter tragisch. In den meisten Regionen der Welt führen diese Entwicklungen aber dazu, dass die Menschen nun nur noch die Hälfte essen können. Wir leben schon lange mit dieser Irrationalität, machen uns eher Sorgen darum, was man aus Stilgründen besser nicht trinken sollte oder welches neue Gadget unsere Technikverliebtheit befriedigen kann. Wenn der iPod ein paar Euro mehr kosten sollte, wen juckt’s? Wenn aber der Sack Reis aber nicht mehr 30, sondern 60 Euro kostet, dann müssen nicht nur Lösungen, sondern vor allem Erklärungen her, und zwar schnell.

Fast alle maßgeblichen Medien berichten über die Preisentwicklung und ihre Folgen. Manche schieben den sogenannten Entwicklungsländern selbst die Schuld in die Schuhe: Die eigenen Eliten hätten dafür gesorgt, das Regenwälder abgeholzt würde, wodurch Böden ausdörren und nicht mehr zur Landwirtschaften taugten. Einige schätzen, dass zu viel landwirtschaftlich nutzbare Fläche für den Anbau von Zuckerrohr und Zuckerrüben umgenutzt wurde, aus denen man „Bio-Kraftstoffe“ wie Ethanol gewinnen wollte. Wieder andere sagen, und das ist auch meine Haltung, dass man sich in der Vergangenheit zu sehr darauf konzentriert hat, welche Produkte ein Land auf dem Weltmarkt anbieten könnte. Statt dessen ist es heute – das ist auch eine Lehre aus schlechten Entwicklungshilfekonzepten der Vergangenheit – viel wichtiger, die Subsistenz der armen Menschen zu fördern und nicht abzuschaffen und die Fähigkeit, sich selbst versorgen zu können, weiter auszubauen. Das gilt vor allem agrar- und energiewirtschaftlich, politisch, wissenschaftlich und materiell.

Die Gründe für den Anstieg der Lebensmittelpreise mögen vielfältig sein, die Folgen sind eindimensional und schrecklich. Laut Wikipedia sterben pro Minute weltweit 15 Menschen an Hunger. Es sind unglaubliche Menschenmassen unterwegs, weil sie versuchen, diesem Tod zu entrinnen. Und in der „entwickelten Welt“ lassen sich manche Menschen den Magen verkleinern, weil sie einfach nicht aufhören können, zu viel zu fressen. Aber auch hier gibt es Klimaflüchtlinge – allerdings als Luxusproblem: Wo soll ich mich niederlassen und mein Häuschen bauen, wo gefällt es mir am besten, lmag ich lieber wärmere oder kältere Regionen? Gerade eben habe ich im Radio gehört, dass der IWF, der meines Erachtens ein Teil der strukturellen Probleme dieser Welt ist, einen globalen Aktionsplan und Soforthilfen in schwindelerregenden Summen verlangt. Mir ist dazu ein (indianischer?) Reim eingefallen, den sicher viele von euch kennen:

„Erst wenn der letzte Baum gerodet,
der letzte Fluss vergiftet,
der letzte Fisch gefangen ist,
werden die Menschen feststellen,
dass man Geld nicht essen kann.“

P.S. Ich habe nachträglich ein paar Änderungen vorgenommen, aber nichts gestrichen. Die neuen Inhalte wurden in grauer Farbe eingefügt.

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  1. Ich bekomme sehr wohl Probleme mit den gestiegenen Lebensmittelpreisen, weiß teilweise nicht mehr, wie ich Miete, Strom, Telefon, Internet etc. zahlen und noch genug für anständiges Essen anstelle von ungesundem Dosenfraß übrigbehalten soll. Mein Einkommen ist allerdings auch um die 900 Euro… und vielen Freunden von mir, die prekär beschäftigt, freiberuflich tätig oder arbeitslos und auf Hartz IV sind, geht es auch nicht viel besser. Sicher, meine Situation ist noch lange nicht vergleichbar mit der eines Armen in den Entwicklungs- und Schwellenländern, aber langsam gerät auch hier einiges in die Schieflage.

  2. Mit 900,- Euro ist dein Einkommen weit unter dem „durchschnittlichen“ Einkommen eines/einer Vollerwerbstätigen. Das hat im 2. Quartal 2008 – laut destatis – 3.098 Euro betragen (vgl.: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/VerdiensteArbeitskosten/Bruttoverdienste/Aktuell,templateId=renderPrint.psml). Der Anteil der Gesamtausgaben (incl. Sparen), den ein „Durchschnittshaushalt“ für Lebensmittel ausgibt, ist seit 1950 um etwa 30 Prozentpunkte gefallen. Im Jahre 1998 gab ein solcher Haushalt – laut Agenda21 – 12,4 Prozent aus (vgl.: http://www.agenda21-treffpunkt.de/archiv/00/daten/nahrung.htm).

    Was solche Zahlen in der Tat ausblenden, ist die wachsende und sich verfestigende Schicht armer Menschen. Damit sind vor allem die einkommensarmen GeringverdienerInnen gemeint – laut Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung 2008 immerhin jede/r achte Deutsche. Die 600.000 bis 1.000.000 Papierlose (vgl.: http://www.raumzeit-online.de/) sind hier gar nicht mitgemeint. Ich bewege mich mit meinem Einkommen in einem ähnlichen Bereich wie du – eher noch knapp darunter. Wenn irgendeine unerwartete Eventualität ein Loch in mein Budget schlägt, habe ich ein Problem. Aber ansonsten kann ich mir durch einigermaßen durchdachte Kalkulation ein gutes und angenehmes Leben mit ein bisschen Luxus erlauben. Allerdings sind meine Ansprüche an Wohnraum eher gering: groß oder repräsentativ muss es nicht unbedingt sein.

    Worauf ich in meinem Artikel hinweisen wollte, ist, dass die Mehrheit(-sgesellschaft) in Deutschland den Preisanstieg vergleichsweise gut wegstecken kann. Mit Blick auf die Krise an den Finanzmärkten könnte diese Diagnose etwas differenzierter ausfallen, aber im Grunde genommen würde ich vermutlich dabei bleiben: Statt sich über den Zustand der eigenen Gesellschaft, der Verteilung von Mitteln und der Auswirkungen von Macht – etwa wie die aktuelle Finanzkrise wirtschaftlich genutzt wird – Gedanken zu machen, vegetieren die meisten (die ich kenne) in allerdümmster seelischer und sozialer Boheme und weisen jede Verantwortung von sich. Und die Mitmenschen von den „Freunden der offenen Gesellschaft“ (Links im Artikel und im Trackback) sind dafür ein passendes Beispiel.

  3. Please move me if this is the wrong category to post to. My name is Maria. I like online blogging I like clicknbank. I look forward to searching more about this forum unterben.wordpress.com

  4. Hier wird oft verwechselt zwischen dem was uns am Leben erhält, und Essen an sich.
    Als Philosphisches Forum sollte man sich darüber wohl im Klaren sein.
    ich spreche sozusagen als Gewissen…..
    Das was uns am Leben hält ist nicht das Essen, davon haben wir hier auch genug, (nicht dass es mir nicht wichtig wäre- mein erstes Kochbuch habe ich schon geschrieben)

    das wovon wir leben als Menschen mit einer Seele, (dies wäre eine Vorraussetzung auf die ich mich geeinigt sehen möchte)

    ist das Gefühl
    ..zu einem Menschen
    ..im besten Fall,

    dies ist etwas was verkümmert in unserer Gesellschaft
    und was der Grund für so manches Leiden ist.

    Wo wird das noch trainiert?

    in der Kunst
    …. im besten Fall

    Aber Leben mit Kunst ist hart ,
    denn von echter Kunst kann man hier nicht leben….

    ..im besten Fall
    man findet einen Mentor

    ????
    gibt es die hier???
    würde mich interessieren.

  5. Anonymous

    Sehr gut gemachte Seite!
    Mach weiter so 🙂

  1. 1 Ananas statt Reis « Freunde der offenen Gesellschaft

    […] ist die Spekulation über die Spießigkeit von Bionade oder Apple-Produkten degoutant, meint der verlinkte Kommentator und nimmt dies zum Anlass altbekannte indianische Weisen (Geld kann man nicht essen und so) ins Netz […]




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