we feed the students

Heute hat ein Privatdozent an der Universität Oldenburg in einer Vorlesung der Wirtschaftswissenschaften einen Filmausschnitt gezeigt, in dem die Vorteile einer, seiner Meinung nach „gelungenen“, Prozessoptimierung dargestellt werden sollten. Hier eine Version von Youtube, aber Vorsicht – wenn du gerade Chicken Wings isst solltest du dir das besser nicht angucken:

Und weiter geht’s hier http://de.youtube.com/watch?v=_wlNpg4fBkU

Der Ausschnitt dauert ja ungefähr zehn Minuten, also vielleicht willst du ihn nicht ganz gucken, weil es dir zu lange dauert. Zusammengefasst kann man sagen, dass dort Tiere wie eine Massenware in einen „Produktions“prozess gezwungen werden. Am Ende erscheinen sie als ein abstraktes, standardisiertes Produkt.

Abgesehen von den Qualen, die die Tiere trotz der halbherzigen Maßnahmen zur Schonung erleiden, möchte ich vor allem auf folgende Gesichtspunkte aufmerksam machen:

  • Die Arbeit der Hilfskräfte in der Produktion, die bspw. darin besteht, gelbe Küken von einem Korb in einen anderen zu packen, womöglich acht Stunden am Tag/Nacht, oder einfach nur Hälse zu schlitzen. Die meisten von ihnen dürften in prekären Beschäftigungsverhältnissen stecken, von ihrer Arbeits und ihrer eigenen Leistungskraft entfremdet sein.
  • Die Transformation eines Lebewesens in „Ware“ durch den scheinbar optimierten Prozess, in dem Stückzahlen und Outputs als Kennzahlen zu einem Verbrechen an lebenden Wesen führen. Die tierischen Individuen werden zu einer nachwachsenden Ressource gemacht.
  • Die Entfremdung des „Produktes“ Hühnerbein von der ursprünglichen Lebensform durch symbolische Akte: Zum Beispiel die Bezeichnungen „Fleisch“ und durch das Zusammenbinden und Abpacken.

Eines vielleicht vorweg: Ich gehöre nicht zu den Leuten, die darin eine Fortsetzung gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse sehen. Durch diese Haltung werden diese gesellschaftlichen Machtkonstellationen meines Erachtens begrifflich verwässert. Was ich andeuten will, ist, dass die meisten der KommolitonInnen, die sich heute in der Vorlesung vor diesem Film geekelt haben, wahrscheinlich VegetarierInnen werden würden, wenn sie ihre Mahlzeiten selber erlegen müssten. Die Frage, die ich neben den oben genannten Aspekten anstoßen will, ist, ob es denn möglich ist, eine Versorgung der Menschenmassen denn nur durch eine solche Massentierhaltung und -schlachtung möglich ist? Ich könnte mir erstens vorstellen, das Menschen aus Sicht der Nährstoffzufuhr eigentlich gar keine Tiere essen müssten, ergo auch keine Hähnchen, sondern sich alle notwendigen Substanzen auch über andere Träger zuführen können.

Und darüber hinaus muss es doch eigentlich möglich sein, für Nahrungsmittel einfach einen größeren Anteil seines Budget auszugeben und so eine bessere Tierhaltung (was ist schon „artgerecht“?) zu ermöglichen. Dieser prozentuale Anteil am Budget der Haushalte ist, wie ich jetzt leider gerade nur behaupten kann, ein Beleg liegt in Form meiner Unterlagen vor mir, im Laufe des letzten Jahrhunderts drastisch gefallen, und zwar, weil sich die Bewohner der sogenannten entwickelten Welt einfach mehr unnötigen Luxus leisten können und wollen. Und dieses Wollen ist es, das der eigentlich Grund des Problems ist.

Übrigens gab es, nachdem der Filmausschnitt gezeigt wurde, keine Diskussion und keine zugelassenen Fragen dazu. Ich könnte mir gut vorstellen, das einige der jungen Nachwuchswissenschaftlerinnen, die beim Anblick der gelben Kücken noch „süüüüüüß“ gerufen haben, jetzt nach den Blutlachen und den herabbaumelnden Köpfen einen psychologische Nachsorge gut gebrauchen können. Schließlich haben sich den mittelständigen und wohlgebährten AkademikerInnen auch von ihre Konsumgütern entfremdet.

Advertisements

  1. Also ich bin kein Vegetarier und habe auch kein Problem damit, Tiere zu töten, um sie zu essen (es ist nur eine tierische Schweinerei, und man muß hinterher das ganze Blut wegputzen). Mit Massentierhaltung habe ich aber sehr wohl ein Problem – ebenso wie mit industrialisiertem Anbau von Getreide, Feldfrüchten, Obst und Gemüse. Lebende Wesen, ganz gleich ob Pflanzen oder Tiere, werden respektlos behandelt und zu reinen Produktionseinheiten reduziert. Ich bin der Ansicht, daß das Leben in jeglicher Form wunderbar und einzigartig ist, und daß wir Menschen mit der Entzauberung der Welt im Zuge der industriellen Revolution das Kind mit dem Bade ausgekippt haben.

    Der Mensch hat sich der Natur entfremdet, hat nicht nur sich selbst, sondern auch Tiere, Pflanzen, Pilze etc. zu Teilen der Maschine gemacht, die nichts als ihre Funktion zu erfüllen haben und ansonsten nichts zählen. Und um den Profit, den die Maschine hinten ausspuckt, zu maximieren, dürfen die lebenden Wesen dann auch gequält, vergiftet und genetisch manipuliert werden. Das Problem dabei ist aber: Unsere gesamte Biosphäre, die dünne Schicht unseres Planeten Erde, die belebt ist, kann man grob vereinfacht selbst als eine Art riesiges Meta-Lebewesen betrachten – und wir fügen ihm großen Schaden zu. Sicher, die Erde wird uns überleben, selbst wenn wir es schaffen, 99% aller anderen Spezies mit uns in den Abgrund zu reißen, aber haben wollen wir als Menschheit denn nicht überleben?

    Ich denke, wir können überhaupt nur überleben, angesichts unserer ungeheuren Anzahl und der wahnsinnigen technologischen Möglichkeiten in unseren Händen, wenn wir uns wieder darauf besinnen, daß Leben an und für sich einen Wert hat, und sei es nur ein winziges Fleckchen Moos, auf dem rote Milben und schwarze Ameisen herumkrabbeln. Wie die meisten anderen Lebewesen, so können auch wir nur existieren, indem wir eine Menge anderer Wesen töten und uns einverleiben, und wir müssen uns der Tatsache wieder bewußt werden, daß wir eben auch Tiere sind, mit tierischen Bedürfnissen, und daß es in unserem eigenen Interesse ist, ein dynamisches ökologisches Gleichgewicht mit allem anderen Leben auf diesem Planeten zu finden, von den kleinsten Einzellern über Seetang und Krill bis hin zu Mammutbäumen, Nashörnern, Tigern und Pottwalen. Wenn die Ökosysteme ins Rutschen geraten, dann werden wir merken, daß unser großartiges industrielles System von zahlreichen unbezahlten „Dienstleistungen“ abhängig war, die unzählige Schimmelpilze, Krabbelviecher und Unkräuter für uns erbrachten.




Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s



%d Bloggern gefällt das: