Gesine Schwan im ARD-Interview

Am 04.06. wurde auf einem sehr prominenten Programmplatz ein interessantes Interview mit Gesine Schwan gesendet, und zwar um 20.15h in der ARD. Gesine Schwan hat 15 Minuten eigentlich nichts anderes gemacht, als sich durch geschickte Ausweichmanövern um konkrete Aussagen zu drücken. Von zwei versierten Interviewern in die Mangel genommen, betont sie oft, dass „Politik ein Prozess“ sei, dass man niemanden auf die reine Parteimitgliedschaft zurückwerfen könne, weil ohnehin keine Partei ein „homogener Block“ sei – auch nicht die Linke. Immer, wenn sie Politik als einen Prozess beschreibt, macht sie eine Geste, als ob sie etwas durchwalkt. Nachdem sie das gefühlte 100 Mal durchgespielt hat, wirkt sie doch ein bißchen nervös, das Lächeln kommt etwas angestrengt rüber und sie ist sichtlich genervt.

Was sich dabei im Hinterstübchen ihres Professorinnenkopfes abspielt, ist nur schwer zu erahnen. Als sie dann aber zum 101-Mal versucht, ihre angebliche Auffassung von Politik zu erklären, rutscht ihr raus, was sich in den Hinterstübchen der SPD abgespielt hat, bevor sie offiziell als Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin aufgestellt wurde:

„Meine Rücksprachen, auch [mit] der Partei, haben ergeben, dass es einleuchtet wenn ich sage, und das ist meine Überzeugung, dass der Prozess ist auch ein Entscheidendes ist!“ (ab Minute 11:30)

Ja doch, zum Geier. Diese Position unterscheidet sich von anderen politischen Positionen dadurch, dass sie keine ist. Die Aussage, dass politische Kontroversen keinen endgültigen Abschluss finden können, ist inhaltsfrei. Auch von BundespräsidentInnen, die sich traditionell aus dem schmutzigen Geschäft der politischen Praxis heraushalten, kann man politische Statements erwarten. Sogar Horst Köhler, dem eine selbstständige Meinung völlig fremd ist, bezieht Positionen, indem er einfach das allgemeine Gefasel wiedergibt. Gesine Schwan kann das gerade nicht machen. Dabei könnte sie schon eine eigene politische Positionen beziehen, allerdings waren ihre Meinungen schon früher eher streitbar – und sie wären es wohl noch heute, wenn sie sich nur trauen würde, so etwas wieder zu sagen (und wenn Michel F. recht hätte). Denn der Ausgangspunkt ihrer Laufbahn als politische Figur war ihr Eintritt in den rechtsgerichteten antikommunistischen Mainstream der sozialliberalen Koalition. Der von ihr mitgegründete Seeheimer Kreis stärkte dem ehemaligen US-amerikanischen Spion Willy Brandt Helmut Schmidt bei der Durchsetzung des NATO-Doppelbeschlusses den Rücken. Sie war eine überzeugte Befürworterin der Nutzung von Kernenergie, und ist dies wahrscheinlich noch heute, trotz der humanitären Katastrophen, die diese Technologie zur Folge hatte und immer haben wird. Es ist anzunehmen, dass sie ihre Positionen nicht grundsätzlich revidiert hat, so dass sie sich durch eine klare Positionierung von den Linken abstoßen wurde. Deswegen „leuchtet es ein“ dass sie sagt, „dass Politik ein Prozess ist“ – denn die Linken von heute haben vergessen, was gestern war.

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  1. Hi,

    netter Beitrag zur strahelnden Gesine.

    Gesine Schwan hat Helmut Schmidt, und nicht Willy Brandt, den Rücken bei der Durchsetzung des NATO-Doppelbeschlusses gestärkt und wurde dafür von Willy Brandt kritisiert.

    Mit besten Grüßen
    Ein Katzenfreund
    (Redaktion Mein Parteibuch)

    PS: Wir würden gern unterben gern in den Parteibuch Ticker aufnehmen, cachen weiterverbreiten und zur Weiterverbreitung empfehlen. Erlaubst Du das? Kontakt hier: http://www.mein-parteibuch.com/blog/impressum/

  2. Danke für den Hinweis, du hast natürlich völlig Recht. Ich hab eine entsprechende Korrektur eingefügt.

    Freue mich über deine Anfrage. Antwort kommt per Mail. Viele Grüße,
    Ben




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