Gescheiterte Wissenschaftskommunikation 2.0

Die Kölner Geographin Frauke Kraas erkundet die Infrastruktur in einer Global City …

„Neue Wege in der Wissenschaftskommunikation“ wollte die DFG mit dem Format „Science TV“ einschlagen. In der nun veröffentlichten Zwischenbilanz rühmt sich die DFG mit der „überwältigenden Resonanz“ – womit aber nicht gesagt ist, ob nun gejubelt wurde, oder ob es Beschwerden hagelte. Denn eigentlich ist Science TV nur ein verkaufsfördernder Etikettenschwindel. Die Internetseiten des Science TV sind ganz ostentativ auf Webzwonull getrimmt: die Flash Videos, die runden Ecken und eine Tag-Cloud sollen zusammen den Eindruck vermitteln, dass es sich hier um ein – auf Wissenschaft spezialisiertes – deutsches You Tube handelt.

Dass aber eine so altgediente Organisation wie die DFG aber nicht von heute auf morgen auf interaktive Wissenserzeugung umstellen kann, muss den allen Produzenten und den ZuschauerInnen von Science TV klar werden. Denn genau diese Trennung (Produzent & Zuschauer) hält das „neue“ Format aufrecht. Während es eine der Stärken von z.B. You Tube ist, dass zwischen Produzent und Konsument manchmal nicht mehr unterschieden werden kann, verkennt die DFG das Potenzial der Ko-Befruchtung unterschiedlicher Wissensbestände. Natürlich bleibt auch bei „echten“ Web 2.0-Angeboten das couch-potato-Syndrom bestehen – aber selbst die faulsten SesselpupserInnen können normalerweise Videos in Blogs oder Foren einbinden und sie auch kommentieren. Diese Funktionen sind bei Science TV absichtlich blockiert. Trotzdem denkt man bei der DFG, dass ein bißchen vom Charme des Web 2.0 auf die eigene angestaubte Organisation herabgerieselt sei und dass man „neue Wege in der Wissenschaftskommunikation eingeschlagen“ habe.

Diese Doppelbödigkeit betont auch Marc von der Wissenswerktstatt in einem lesenswerten Artikel, in dem er unter anderem die vielen möglichen „Upgrades“ für Science TV herausarbeitet. Wahrscheinlich ist es unstrittig, dass sich die Wissensvermittlung von morgen an den Bedürfnissen ihrer Adressaten orientieren muss. Dass man aber gerade mit dem jetzigen Format von Science TV den „veränderten Nutzergewohnheiten vor allem junger Menschen“ entgegen kommen würde, stimmt überhaupt nicht. Denn die DFG hat zwar das Geld und die fachliche Kopetenz, um so ambitionierte Projekte auf die Beine zu stellen – aber vielleicht muss in der Organisation selbst noch ein Paradigmenwechsel stattfinden, damit so etwas wirklich klappt …

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