Leben auf Ökopump? Eine Kritik des „ökologischen Fußabdrucks“

Seit dem 23.  September 2008 lebt die Erde angeblich „auf Ökopump“ – so formulierte es jedenfalls die taz an eben jenem Tag. Damit ist gemeint, dass die natürlichen Ressourcen, die für das Jahr 2008 zur Verfügung stehen, ab diesen Zeitpunkt verbraucht sind und „die Menschheit“ nun die Kapazitäten der Zukunft schon im Vorfeld belastet. Das heißt, dass die Treibhausgase, die durch menschliche Aktivität  emittiert werden, nicht mehr von der Natur verarbeitet werden können. Das gleiche gelte für den Müll.

Dabei beruft sich sich die taz auf eine soeben erschienene Studie des „Global Footprint Network“. In diesem internationalen Zusammenschluss von ForscherInnen verfolgt man das Konzept des „ökologischen Fußabdrucks“. Hier ergibt sich aus einer Hochrechnung der Umweltkosten eines Lebensstils dessen hypothetischer Naturverbrauch. Beispiel: Würden alle so leben wie Du, dann bräuchten wir eigentlich nicht nur eine Erde, sondern anderthalb oder zwei.

Wenn wir dieses Konzept allein danach bewerten, ob es sich intuitiv verstehen lässt, dann ist der „ökologische Fußabdruck“ in der Tat sehr gut und richtig. Allerdings sind die Umweltprobleme, die es in den Fokus rückt (CO2, Klima, Ozon), beispielhaft für eine rein nördliche Perspektive auf die Natur, in der die eigentlichen Ursachen für diese Probleme verschwimmen. Die Analyseeinheit stellt man homogen vor – so soll bspw. „die Menschheit“ insgesamt die Probleme haben – so dass völlig unklar ist, wer genau die Auswirkungen des zu hohen Naturverbrauches zu spüren bekommt.

Am Beispiel einer Reihe anderer Umweltprobleme wird deutlich, dass diese Differenzierung wichtig wäre. Dazu gehören etwa die „Entsorgung“ von Müll in armen Ländern, die Umweltkatastrophen durch die Förderung und den überseeischen Transport von Öl sowie der Krieg für Ressourcen. Dazu gehört außerdem der Imperativ einer nutzenmaximierenden und effizienten Wirtschaft. Dies sind die Kosten, die ein Entwicklungsmodell westlichen Zuschnitts und dessen Ausbreitung mit sich bringen.

Anders als im „ökologischen Fußabdruck“ sollte die Umwelt meines Erachtens nicht als etwas neutrales oder wertindifferentes Objekt konzeptualisiert werden, sondern viel mehr als ihrerseits politisiert und umkämpft gelten. D.h., dass die unterschiedlichen Machtverhältnisse in der Natur durch ein wissenschaftliches Verfahren abgebildet werden sollten. Dabei kann bspw. im Vordergrund stehen, ob und wie die betroffenen Menschen verschiedene Handlungsoptionen hinsichtlich einer Anpassung an die Umweltprobleme und/oder ihrer Vermeidung haben. Dabei würde klar werden, dass die reichen Industriestaaten oft auch die „Gewinner“ des anthropogenen Klimawandels sind, während die armen Länder meist die Umweltkosten tragen müssen.

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