Wall·e – der letzte räumt die Erde auf

Wall·e trifft Eve – eine Handarbeit von audreym

Gestern habe ich mir im Kino den neuen Pixar-Film angesehen. Die Story ist schnell erzählt: Im 22. Jahrhundert arbeitet „Wall·e“, ein Roboter klassischen Zuschnitts, als Schrottpresse auf der menschenleeren Erde. Der Planet starrt vom Müll der industriellen Produktion, und also hat der Müllroboter eine Menge zu tun. Die Menschheit ist schon lange auf ein riesiges Raumschiff ins All geflüchtet und wird dort von Robotern und Computern umsorgt. Von dort wird die Sonde „Eve“ auf die Erde geschickt, wo sie die Möglichkeiten zur Wiederbesiedlung erkunden soll. Die beiden Maschinen verlieben sich ineinander, er folgt ihr auf dem Rückweg zum Exil der Menschheit. Es stellt sich heraus, dass die Robotor und Computerprogramme des Raumschiffes dort die vollständige Kontrolle über die Menschen haben und diese mittels Fast-Food und Television künstlich am Leben erhalten. „Wall·e“ und „Eve“ wecken bei den Menschen die Sehnsucht nach dem Heimatplaneten, worauf hin diese ihre technologischen Herrscher besiegen und zur Erde zurück kehren. Dort beginnen diese ein  neues und umweltfreundliches Leben als Landwirte.

Interessant ist der Film einerseits wegen der angesprochenen Themenkomplexe: Fortschrittsglaube, Technologie (die als Selbstläufer den Menschen kontrolliert und nicht andersrum), Naturzerstörung, Steuerungsoptimismus hinsichtlich der Umweltprobleme und, nicht zuletzt, Liebe. Auch die Rassenfrage wird verhandelt, denn auf dem Raumschiff sind alle Menschen „weiß“. In der Tat ist aber auch der Nachspann erwähnenswert. Denn dort wird gezeigt, wie die zurückgekehrten Menschen die Erde wieder besiedeln. Im Zeitraffer durchschreiten sie die Epochen der Menschheitsgeschichte, von der Vorgeschichte (in Hölenmalereien dargestellt) bis zur „industriellen Revolution“ (im Stile Vincent van Gogh). Den Schluss bildet also das 19. Jahrhundert und bis dahin scheint in allen Bereichen alles okay zu sein. Dabei machen sie aber alles genau so wie beim ersten Versuch, mit dem kleinen Unterschied, das nun „Wall·e“ und und „Eve“ überall ein gleicher Weise mit arbeiten. Maschine und Mensch arbeiten zusammen am selben Projekt: der gerechten Versorgung aller durch alle durch manuelle Arbeit. Aber sie verbringen auch gemeinsam ihre Freizeit – „Wall·e“ schubst eine Schaukel, auf der ein kleines Menschenkind sitzt.

Dies ist die eigentlich kritische Spitze dieses auf den ersten Blick etwas flachen Filmes. Denn dass die Erträge der automatisierten und industriellen Produktion zu gleichen Teilen allen zukommen, bzw. die Maschinen überhaupt irgendeinen spürbaren Beitrag zur Versorgung aller Menschen leisten, ist das genaue Gegenteil der aktuellen Situation. Mehr noch: Maschinisierung wird gegenwärtig sogar in den Industriestaaten eher als ein Fluch empfunden (Arbeitsplatzverlust, Entmenschlichung der Produktion, … ). Der Film zeigt also die Vision einer kooperativen Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. Dass die Pixar-Leute dabei allerdings nicht die Phantasie hatten, auch das 20. und 21. Jahrhundert der Menschheitsgeschichte kreativ nach ihren Vorstellungen neu zu formen spricht dafür, dass ihnen die letzte – politische – Konsequenz am Ende doch gefehlt hat.

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  1. Sicherlich hat der Film den Finger nur leicht erhoben und hätte die Chance gehabt damit fest an die eigene Nase zu fassen. Trotzdem ist ein, wie ich finde fantastisch guter sehr sehenswerter Film entstanden, der zumindest zum Nachdenken anregt.

  2. June

    Ich finde, dass im Abspann nicht von der „Gleichsttellung“ von Mensch und Maschine geredet werden kann. Wall-E und Eve sind in diesem Film nicht nur Maschinen, sondern haben ein menschliches Wesen. Da dies bei den von uns entworfenen Maschinen nicht so ist, ist es klar, dass diese als Bedrohung und nicht als Mitmenschen (Mitroboter) gesehen werden. Der Film hat bezüglich der Kooperation von Mensch und Maschine garnichts dargestellt, sondern lediglich einen netten Abspann für einen typischen Disney-Film gesucht. Eindeutig flach (richtig) und ein wenig süß.

  3. Maschinen sind doch überhaupt nicht wertneutrale Objekte, sondern Ziel von Projektionen und Wünschen. „Wir“ entwerfen doch auch eine Reihe von Maschinen, die ganz klar menschliche Züge tragen.

    Beispiele:
    Robotor, die in der Altenpflege arbeiten:
    http://www.focus.de/panorama/welt/japan_aid_63084.html
    Geisterbahnen:

    Robotische Haustiere:

    und natürlich Geburtsmaschinen 😉

    Ich finde deine Kritik aber angemessen, weil meine Behauptung echt aus der Luft gegriffen ist. Dass aber der Abspann (oder der ganze Film) typischer und bloß flacher Disney-Ramsch sei wage ich dennoch zu bezweifeln. Disney – besser: Pixar (!) – Filme sind Kultur, und wer das nicht glaubt, hat den Schuss nicht gehört.

  4. Yourgrandma

    Ähm.. btw die Menschen auf dem Raumschiff sind nicht alle weiß, allein schon in der Werbung die Wall-E auf der Erde findet sind Schwarze zu sehen..




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