Wer sind die ökologisch aufgeklärten Akteure?

Braucht es eine spezielle Nachhaltigkeitskommunikation? Ja, unbedingt? Hippe Angebote wie „komm(n)“ ziehen aus solchen Vermutungen ihre ganze Existenzberechtigung (samt Finanzierung durch Umweltministerium und Umweltbundesamt). Wozu der ganze Zauber? Für eine Moralisierung der Märkte? Für KonsumentInnen, die sich für ökologische Themen und nachhaltigkeitsbezogene Forschungen interessieren? Für eine Politik, die auf die Anforderungen aus Wissenschaft und Wirtschaft besser reagiert?

Ich würde dagegen halten, dass die moderne Wissenschaft und Technologie von ganz alleine zu einer Reflexion zwingt, die die Grenzen zwischen den einzelnen gesellschaftlichen Subsystemen verschwimmen lässt und ganze Akteur-Netzwerke neu konfiguriert. Die sozialen und technischen Verflechtungen, aus denen diese Strukturen stammen, werden immer wieder enthüllt und bespiegelt, z.B. im Fall der BSE-Kuh, die aus dem Nichts auftaucht um den sozio-kulturell geformten Produktionsprozess offenzulegen, durch den herbivore Kühe „auf einmal“ die Krankheiten von Carnivoren bekommen konnten. Hierfür sind die Wissenschaften mitverantwortlich, doch die wachsende Dynamik der Grenz-verschiebungen, die von neuen Anforderungen (Klimawandel, Liberalisierung, … ) beschleunigt wird, ist von ihnen bisher keineswegs erkannt worden. Hier ist weitere (transdisziplinäre) Arbeit notwendig!

Die gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen könnten unter anderem die Frage aufwerfen, wer ökologisch aufgeklärte Akteure sind. Vielleicht sind das ja die Zielgruppen dieser speziellen Nachhaltigkeitskommunikation? Brauchen wir etwa neue Experten und „Coaches“, um uns ein ganzes Volk von „Lohas“ heranzuzüchten? Nein, bloß nicht. Was dann? Nachhaltig denkende und verantwortungsvoll handelnde und urteilende Menschen sind sich der Verschiebbarkeit von Grenzen bewusst und nehmen die Risiken ihrer (alltäglichen) Handlungsfolgen in den Blick. Das darf keineswegs auf eine universelle Gerechtigkeitsethik hinauslaufen, sondern verlangt (von uns) eine partielle Ethik, die der Realität funktional differenzierter und arbeitsteiliger Gesellschaften gerecht wird. Diese Aufgabe ist in der Tat schwierig und auf das Wissen um lokale Wissensproduktion angewiesen, aber die fortgesetzten Rückschläge beim globalen Klimaabkommen zeigen uns, dass es nicht anders gehen kann.

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