Archive for the ‘Angst’ Category

Jewish Memorial

Das jüdische Mahnmal, fotografiert von George.

Unter sanften Hügeln, die von blühendem Heidekraut überwachsen sind, liegen die Leichen von zehntausenden rassisch, politisch und grundlos Verfolgten und Ermordeten. Mit einem Seminar aus dem geschichtswissenschaftlichen Institut der Uni Oldenburg habe ich das ehemalige Konzentrationslager Bergen-Belsen besucht. Um 8.00h früh fuhren wir in Oldenburg los und kamen nach zwei Stunden Busfahrt vor dem Eingang der Gedenkstätte an. Wir hatten etwas Zeit, bis unsere Führung beginnen sollte, also sahen wir uns zur Vorbereitung einen Film 30 minütigen an, der aus den Aufnahmen des britischen Militärs zusammengeschnitten war. Ich gebe hier einen Teil der Geschichte des Konzentrationslagers wieder und schildere meine Eindrücke von dem Tag in der Gedenkstätte

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Polnische Mordbanden schießen aus dem Hinterhalt! Die verbrecherischen Propagandisten der polnischen Medien-Mafia haben zuletzt geschmacklose Bildermanipulationen unserer nationalen Helden abgedruckt. ZU Unrecht bringen sie die unverkrampften deutschen Patrioten mit der Vergangenheit des 20. Jahrhunderts in Verbindung. Doch die ehrlichen Journalisten der Springer-Presse verteidigen das deutsche Volk in der Öffentlichkeit. „Hetze gegen unsere EM-Mannschaft. Polen eröffnen Fußball-Krieg.“ Mitten im schönsten Sport-Frieden schlugen die polnischen Medien-Granaten in die Köpfe aufrechter deutscher Fußballfans und BILD LeserInnen ein.

Jetzt, im Zeichen ernster polnischer Bedrohung, wird sich Deutschland wehren! So kündigt auch Alex E. aus Augsburg völlig zu recht auf bild.de an: „Spätestens wenn wir sie am Sonntag wieder überrennen wissen sie was Sache ist!“ Dann wird es wieder heißen: „Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen!“

(Für alle geschichtsvergessenen Deutschen aus der dritten Generation sei der folgende Hinweis auf eine Wochenschau aus dem Dezember 1939 gestattet. Für die schlechte Qualität entschuldige ich mich. Es geht aber auch mehr um den Kommentar aus dem Off.)

Essen?

Die katastrophalen Nahrungsmittelpreise bedeuten für die meisten WesteuropäerInnen, dass sie einfach das doppelte für ihre Einkäufe zahlen müssen. Bei dem ca. einstelligen prozentualen Anteil, den die Menschen hier von ihrem Einkommen für Lebensmittel aufwenden, ist das wahrscheinlich nicht weiter tragisch. In den meisten Regionen der Welt führen diese Entwicklungen aber dazu, dass die Menschen nun nur noch die Hälfte essen können. Wir leben schon lange mit dieser Irrationalität, machen uns eher Sorgen darum, was man aus Stilgründen besser nicht trinken sollte oder welches neue Gadget unsere Technikverliebtheit befriedigen kann. Wenn der iPod ein paar Euro mehr kosten sollte, wen juckt’s? Wenn aber der Sack Reis aber nicht mehr 30, sondern 60 Euro kostet, dann müssen nicht nur Lösungen, sondern vor allem Erklärungen her, und zwar schnell.

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Studentische Trinkrituale mögen eine lange Tradition haben. In den Zeiten von Studiengebühren macht regelmäßiges Trinken die 500 Euro aber zu einem ziemlich riskant angelegten Kapital. Wer viel trinkt vergisst gelernte Inhalte schließlich schneller als Abstinenzler. Natürlich muss man die Gründe für eine zugenommenen Alkoholgenuss unter Studenten klären. Liegt es vielleicht daran, dass die Universitäten die Schrauben angezogen haben und ihre Studenten möglichst schnell durch das Studium schleusen wollen? Aufgestauter Leistungsdruck, der sich als unverschämter biergeschwängeter Rülpser aus lernfaulen Studentenmündern entlädt? Der Leiter der Psychosozialen Beratungsstelle (PSB) an der Uni Oldenburg meint: „Viele denken: Ich muss schnell mit dem Studium fertig werden, sonst habe ich beruflich keine Chance.“

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„Marx hatte die Kräfte des Kapitalismus als vampirisch bezeichnet“ weil sie „versuchen alles Lebendige der Wertform zu unterwerfen.“1 In der Wertform erscheint das Lebendige nicht mehr als fleischig-blutiges Lebewesen, sondern als kalte, „tote“ Masse, die vom Kapitalismus penetriert wurde.

Wenn ich heute versuche, die Pole Kapitalismus und Vampirismus zusammenzubringen, so muss ich versuchen, folgendes Problem zu beachten. Kapitalismus bedeutet Rationalität ohne Mythos, oder? Man setzt verschiedene Anbieter einer Ware (Und ganz nebenbei: Alles ist Ware, selbst deine Gesundheit2) in Konkurrenz zueinander. Der Vampir ist dagegen eine mythische Gestalt, sie existiert nicht und ist Fiktion. Und beide Konzepte sind haben wir uns ausgedacht.

Wir sind Menschen. Einige Menschen behaupten, dass unsere Religionen durch den Kapitalismus abgelöst wurden. Früher konnte uns der religiöse Glaube durch das Versprechen des ewigen Lebens im Jenseits über das Wissen um die eigene Sterblichkeit hinwegtrösten. Heute sieht die ganze Sache anders aus. Wie gesagt, behaupten manche, dass die Bewohner der westeuropäischen Länder heute weniger religiös sind als früher. Wenn wir annehmen, dass das stimmt, dann lässt uns vermutlich heute etwas anderes als die Religion den sicheren Tod vergessen.

Der Kapitalismus verspricht uns einiges: Ein tolles Auto, die „besten“ Wohnungen (zum Beispiel am Prenzlauer Berg), zu jeder Saison das passende Outfit, Wellness-Urlaub in der Südsee, jeden Tag eine neue Innovation – alles im Dienste des Konsumenten. Die Versprechungen der diesseitigen Welt lassen das Wissen um den eigenen Tod zur Ahnung werden – oder verniedlichen es zum neuerlichen Konsumspaß. Der vampirische Treibstoff des Kapitalismus besteht heute aus 2 Komponenten:

  • Wachstum als Verheißung: Du kannst des Tod vergessen, denn der Kapitalismus erlaubt dir, einen großen Teil der Welt zu konsumieren.
  • Die Welt aussaugen: Du kannst z.B. Kontinente erobern, und den Boden (oder das „Humankapital“ in finanzielle Energie umwandeln.

Diese beiden Elemente führen bei den „verwandelten“/“infizierten“/vampirischen Menschen zu seelischer Unruhe, weil erstens ihr metaphysisches Bedürfnis – eine anthropologische Konstante (?) – unbefriedigt bleibt und sie eine beschleunigte Zuführung des Treibstoffes brauchen.

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Mahnmal für die Kinder von Lidice, Lidice. Symbolfoto von haesy

Unter dem medialen Rauschen sticht eine Nachricht unangenehm hervor: Schon zum 2ten Mal in diesem Jahr haben Unbekannte das Lidice-Haus auf dem Stadtwerder angegriffen. Radio Bremen und taz Bremen berichten – ansonsten finden sich im Netz nur eine Nachricht auf den Internetseiten des Lidice-Hauses selbst und eine Polizeimeldung. Kein einziges Blog berichtet darüber.

Das Lidice-Haus ist seit mehr als 20 Jahren eine wichtige Institution der politischen Jugendbildung in Bremen. Das Programm umfasst auch Seminare für Erwachsene, beispielsweise für hilflose Eltern rechtsradikaler Jugendlicher. Programme dieser Art sind sehr selten und können den Zorn der organisierter Rechtsextremisten nach sich ziehen. Dass die Angriffe eine Reaktion auf die antifaschistischen Angebote des Hauses sind, kann laut lidicehaus.de „nicht ausgeschlossen werden.“

Die Polizei geht in ihrer Meldung von einer „politischer Motivation“ der Gewalttäter aus.  Diese Annahme geht insofern fehl, als dass sie die Neonazis für „politische“ Akteure hält – das Parolenschmieren („Juden Raus“ oder „Terrormaschine C18„) und das Steinewerfen womöglich sogar „politische“ Handlungen. Aber Politik bezieht sich immer auf einen Anderen. Wenn eine Handlung (also auch eine Aussage) die Auslöschung dieses Anderen im Sinn hat, dann verliert sie ihren politischen Charakter und wird zum Mordversuch.

Wenn dieser Bremer Katastrophe nicht bald eine angemessene Reaktion folgt, dann wird der nächtliche Angriff auf des Lidice-Haus so erscheinen, als sei sie von der Bremer Mehrheit geduldet.

Hoyerswerda ’91, Rostock ’92 und Mügeln ’07. Stolze deutsche hetzen und Menschen schauen zu, greifen nicht ein. Sie tun nichts gegen die Gewalt. Und allen deutschen wird der Spiegel vorgehalten: Wir sind alle mit schuldig, weil wir akzeptieren, dass so etwas passiert.

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Mittäter

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Der „Patron der Proleten“ (Konkret. Heft 7, 2007)

Die Linke hat sich unter der Führung von Oskar Lafontaine zur drittstärksten politischen Partei in Gesamtdeutschland aufgeschwungen. Wie kommt es, dass diese Partei einen solchen Erfolg feiern kann, wo sie doch bis vor kurzem nur eine nebensächliche Bedeutung für das deutsche Parteiensystem hatte?

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Angst!

Welche Wirkungen kann die mediale, staatliche und wirtschaftliche Angstindustrie entfalten?

  • New York: Etliche Menschen schnappen nach einer simplen unterirdischen Explosion in einer Dampfleitung völlig über und verlassen die Stadt. Eine Person stirbt an Herzinfarkt – vermutlich aus Angst.
  • London: Am 22. Juli erschießen Kämpfer einer britischen Spezialeinheit präventiv der Brasilianer Jean Charles de Menezes weil sie ihn, völlig zu unrecht, für einen sog. „Gefährder“ halten. Ähnliche Maßnahmen werden z. Zt. in Deutschland diskutiert.
  • DerDeutsche al-Masri wurde wegen seines „falschen“ Namens, seines „falschen“ Aussehens und seiner „falschen“ Herkunft übergangsweise seiner Menschenrechte beraubt, anschließend gefoltert und letztendlich in die psychiatrische Klinik eingewiesen.