Archive for the ‘Antisemitismus’ Category

In seinem dreiteiligen Animationsfilm „Wie funktioniert Geld?“ erklärt der Bremer Mediendesigner Max von Bock sein Verständnis von Geld. Weil er beruflich einer ist, der „was mit Medien“ macht, kennt er sich leider nicht besonders gut damit aus. Also fallen wichtige Ansätze der Soziologie (Geld als Kommunikationsmedium), der Alchemie (Geld: „Dies Metall lässt sich in alles wandeln“) und der Philosophie (Geld als Abstraktionsleistung) leider unter den Tisch. Anstelle dessen gibt es eine kreative Story: Außerirdische haben das Geld erfunden, um damit die Menschen auszubeuten und zu sie versklaven. Die merken aber nichts von dem Betrug, weil sie die fremden Eindringlinge nicht sehen, die sie mit fieser Heimtücke überlistet haben.

geld1

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heuschrecke

Ein possierliches und nützliches Wesen, in Szene gesetzt von Judo10.

Es geschehen unglaubliche Sachen, wirklich. Antisemitische Positionen kamen schon oft im Gewand des Tiervergleiches daher. Dass sie aber so widerspruchslos akzeptiert und übernommen werden wie bei der so gen. „Heuschreckendebatte“ hat mich sehr erstaunt. Setzt man eine bestimmte soziale Gruppe mit „Ungeziefer“, „Plagegeistern“, „Schädlingen“ oder „Parasiten“ gleich, dann öffnet sich möglicherweise zugleich auch der Raum, in dem die Forderung nach der Auslöschung dieser Gruppe gestellt wird. Zu diesem Thema schrieb der Historiker Michael Wolffsohn im Mai 2005:

„60 Jahre ‚danach‘ werden heute wieder Menschen mit Tieren gleichgesetzt, die – das schwingt unausgesprochen mit – als ‚Plage‘ vernichtet, ‚ausgerottet‘ werden müssen.“

Nach meiner Überzeugung findet man die Gleichsetzung mit Tieren aber nicht „nur“ in der so gen. „Heuschreckendebatte“, die aktuell ja zum Beispiel dazu geführt hat, dass das Wort „Heuschrecke“ ganz selbstverständlich als Platzhalter für eine Reihe unterschiedicher Unternehmens- und Unternehmer_innentypen benutzt wird. Dabei handelt es sich aber keineswegs um einen eliminatorischen Antisemitismus, sondern um eine verbreitete Form von latentem Antisemitismus. Allerdings können aggressivere Positionen hier Anschluss finden.

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Vier Tage vor dem 10. November 2008 – dem Datum, an dem sich die Reichspogromnacht von 1938 zum 70. Mal jährt – bezeichnete der Niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff die Kritik am Finanzmanagement als „Pogromstimmung“1. Vielleicht ist es nicht mehr nötig, auf die Unangemessenheit seines Vergleiches hinzuweisen, sondern viel wichtiger, das Folgende zu betonen:

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