Archive for the ‘Kultur’ Category

Wall·e trifft Eve – eine Handarbeit von audreym

Gestern habe ich mir im Kino den neuen Pixar-Film angesehen. Die Story ist schnell erzählt: Im 22. Jahrhundert arbeitet „Wall·e“, ein Roboter klassischen Zuschnitts, als Schrottpresse auf der menschenleeren Erde. Der Planet starrt vom Müll der industriellen Produktion, und also hat der Müllroboter eine Menge zu tun. Die Menschheit ist schon lange auf ein riesiges Raumschiff ins All geflüchtet und wird dort von Robotern und Computern umsorgt. Von dort wird die Sonde „Eve“ auf die Erde geschickt, wo sie die Möglichkeiten zur Wiederbesiedlung erkunden soll. Die beiden Maschinen verlieben sich ineinander, er folgt ihr auf dem Rückweg zum Exil der Menschheit. Es stellt sich heraus, dass die Robotor und Computerprogramme des Raumschiffes dort die vollständige Kontrolle über die Menschen haben und diese mittels Fast-Food und Television künstlich am Leben erhalten. „Wall·e“ und „Eve“ wecken bei den Menschen die Sehnsucht nach dem Heimatplaneten, worauf hin diese ihre technologischen Herrscher besiegen und zur Erde zurück kehren. Dort beginnen diese ein  neues und umweltfreundliches Leben als Landwirte.

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In der griechischen Antike haben die Menschen sich und den Kosmos als eine einzige wohlgeordnete Einheit begriffen. Durch diese Welt- und Selbstsicht haben die Menschen eine Grundstimmung der Sorglosigkeit und Geborgenheit abgeleitet. Hans Jonas hat in seiner existentialistischen Interpretation der spätantiken „Gnosis“ die Brüche und Übergänge zwischen dem neuzeitlichen, dem mittelalterlichen und dem neuzeitlichen Daseinsverständnis untersucht. Aus seiner Analyse ist besonders die descart’sche Trennung zwischen Körper (res extensa) und Geist (res cogitans) in der Neuzeit hervorzuheben. Damit begründete René Descartes einen zentralen Dualismus, der bis in die Gegenwart hineinragt. Das körperlich-Ausgedehnte und das geistig-Denkende seien wesensverschiedene Substanzen, die einen schroffen Gegensatz bildeten und mit unterschiedlichen Methoden untersucht werden müssten. Als denkender Geist besitze der Mensch Eigenschaften, die ihn von der übrigen Umwelt unterscheiden sollen. Nach Hans Jonas führte dieser Gegensatz zu dem seiner Zeit weit verbreiteten Gefühl der „Weltangst“. Ausdrücke dieser Verlorenheitsgefühle finden sich bei Blaise Pascal („Teilnahmslosigkeit der Himmel gegenüber menschlicher Not“), Friedrich Nietzsche („Gleichgültigkeit des Universums“), Jean-Paul Sartre („Ekel“) und Martin Heidegger („Sorge“). Letzterer sprach in diesem Zusammenhang von der „Geworfenheit“ des Menschen, was so viel heißen soll, wie dass der Mensch in einer ihm fremden Welt ein sehr sorgenvolles Dasein führe. Nach meiner Lesart: Der Mensch wird in eine ihm fremde Umgebung gehalten, in der er sich dummerweise zurechtfinden muss. Existentialisten wie Martin Heidegger schrieben der Natur eine geringe oder gar keine Bedeutung zu und ignorierten jeden Zusammenhang zwischen Körperlichkeit und Geist. Hans Jonas, einer der herausragendsten Schüler Heidegggers, kritisierte diese „Naturvergessenheit“ der ExistentialistInnen.

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Polnische Mordbanden schießen aus dem Hinterhalt! Die verbrecherischen Propagandisten der polnischen Medien-Mafia haben zuletzt geschmacklose Bildermanipulationen unserer nationalen Helden abgedruckt. ZU Unrecht bringen sie die unverkrampften deutschen Patrioten mit der Vergangenheit des 20. Jahrhunderts in Verbindung. Doch die ehrlichen Journalisten der Springer-Presse verteidigen das deutsche Volk in der Öffentlichkeit. „Hetze gegen unsere EM-Mannschaft. Polen eröffnen Fußball-Krieg.“ Mitten im schönsten Sport-Frieden schlugen die polnischen Medien-Granaten in die Köpfe aufrechter deutscher Fußballfans und BILD LeserInnen ein.

Jetzt, im Zeichen ernster polnischer Bedrohung, wird sich Deutschland wehren! So kündigt auch Alex E. aus Augsburg völlig zu recht auf bild.de an: „Spätestens wenn wir sie am Sonntag wieder überrennen wissen sie was Sache ist!“ Dann wird es wieder heißen: „Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen!“

(Für alle geschichtsvergessenen Deutschen aus der dritten Generation sei der folgende Hinweis auf eine Wochenschau aus dem Dezember 1939 gestattet. Für die schlechte Qualität entschuldige ich mich. Es geht aber auch mehr um den Kommentar aus dem Off.)

Vor 40 Jahren, im Februar 1968, kündigte R. Dutschke – die damals wie heute gern gescholtene Integrationsfigur der sog. 68er – in dem für ihn typischen avantgardistischen Stil das Folgende an:

„Jede radikale Opposition gegen das bestehende System, das uns mit allen Mitteln daran hindern will, Verhältnisse einzuführen, unter denen die Menschen ein schöpferisches Leben ohne Krieg, Hunger und repressive Arbeit führen können, muss heute notwendigerweise global sein. Diese Globalisierung der revolutionären Kräfte ist die wichtigste Aufgabe der ganzen historischen Periode, in der wir heute leben und in der wir an der menschlichen Emanzipation arbeiten“ (www.labournet.de/express/seibert.html).

Dass da einer selbst im Jahre 1968 noch so tut, als ob der Marxismus, auf den er sich implizit beruft, noch völlig unbeschädigt sei, juckt uns erst einmal nicht. Was viel mehr hervorsticht ist die Beschwörung einer umfassenden Globalität, die ihre erste und bis heute einzige Entsprechung in der „Globalisierung der revolutionären Kräfte“ hat – auch wenn die gescheitert ist. Der Ton, den Dutschke in der oben zitierten Rede zur Eröffnung des Vietnamkongresses angschlagen hat, kehrt heute wieder. Ein Beispiel dafür ist die Rhetorik der zeitgebössischen KlimaschützerInnen. Diese Woche hat in Osnabrück dazu eine interdisziplinäre Tagung stattgefunden, die diese Formel in ihrem Titel „Klimawandel – globale Herausforderung des 21. Jahrhunderts“ (www.dbu.de/123artikel27739_135.html) pointiert aufgegriffen hat . . .

Doch wie globalen revolutionären Kräfte, die sich die 68er herbei gewünscht haben, und die dann ausblieben, so wird auch die Bewegung, die den Klimawandel als globale Herausforderung der gesamten Menschheit begreift, gezwungermaßen scheitern. Daraus folgert nichts anderes, als das man sich sinnvoll beschränken muss – nicht unbedingt im Denken, aber doch im Handeln. Warum beschäftigt man sich mit Vietnam – wenn der militärisch-industrielle Komplex die eigenen Nachbarn überflüssig machen kann. Warum starrt man auf den CO2-Ausstoss der Vereinigten Staaten – wenn allein das eigene Verhalten die Ressourcen von min. 3,5 Planeten erforderlich machen würde, wenn sich der Rest der Menschheit genauso verhalten würde? Weil es schwieriger ist, eigene Verhaltensstarren zu überwinden, als sich mit rhetorischer Radikalität hervorzutun. „Menschliche Emanzipation“ – von den repressiven Produktionsverhältnissen – unterscheidet sich hier nicht von menschlichen Gegenstrategien zum anthropogenen Klimawandel.

Heute hat ein Privatdozent an der Universität Oldenburg in einer Vorlesung der Wirtschaftswissenschaften einen Filmausschnitt gezeigt, in dem die Vorteile einer, seiner Meinung nach „gelungenen“, Prozessoptimierung dargestellt werden sollten. Hier eine Version von Youtube, aber Vorsicht – wenn du gerade Chicken Wings isst solltest du dir das besser nicht angucken:

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Studentische Trinkrituale mögen eine lange Tradition haben. In den Zeiten von Studiengebühren macht regelmäßiges Trinken die 500 Euro aber zu einem ziemlich riskant angelegten Kapital. Wer viel trinkt vergisst gelernte Inhalte schließlich schneller als Abstinenzler. Natürlich muss man die Gründe für eine zugenommenen Alkoholgenuss unter Studenten klären. Liegt es vielleicht daran, dass die Universitäten die Schrauben angezogen haben und ihre Studenten möglichst schnell durch das Studium schleusen wollen? Aufgestauter Leistungsdruck, der sich als unverschämter biergeschwängeter Rülpser aus lernfaulen Studentenmündern entlädt? Der Leiter der Psychosozialen Beratungsstelle (PSB) an der Uni Oldenburg meint: „Viele denken: Ich muss schnell mit dem Studium fertig werden, sonst habe ich beruflich keine Chance.“

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„Marx hatte die Kräfte des Kapitalismus als vampirisch bezeichnet“ weil sie „versuchen alles Lebendige der Wertform zu unterwerfen.“1 In der Wertform erscheint das Lebendige nicht mehr als fleischig-blutiges Lebewesen, sondern als kalte, „tote“ Masse, die vom Kapitalismus penetriert wurde.

Wenn ich heute versuche, die Pole Kapitalismus und Vampirismus zusammenzubringen, so muss ich versuchen, folgendes Problem zu beachten. Kapitalismus bedeutet Rationalität ohne Mythos, oder? Man setzt verschiedene Anbieter einer Ware (Und ganz nebenbei: Alles ist Ware, selbst deine Gesundheit2) in Konkurrenz zueinander. Der Vampir ist dagegen eine mythische Gestalt, sie existiert nicht und ist Fiktion. Und beide Konzepte sind haben wir uns ausgedacht.

Wir sind Menschen. Einige Menschen behaupten, dass unsere Religionen durch den Kapitalismus abgelöst wurden. Früher konnte uns der religiöse Glaube durch das Versprechen des ewigen Lebens im Jenseits über das Wissen um die eigene Sterblichkeit hinwegtrösten. Heute sieht die ganze Sache anders aus. Wie gesagt, behaupten manche, dass die Bewohner der westeuropäischen Länder heute weniger religiös sind als früher. Wenn wir annehmen, dass das stimmt, dann lässt uns vermutlich heute etwas anderes als die Religion den sicheren Tod vergessen.

Der Kapitalismus verspricht uns einiges: Ein tolles Auto, die „besten“ Wohnungen (zum Beispiel am Prenzlauer Berg), zu jeder Saison das passende Outfit, Wellness-Urlaub in der Südsee, jeden Tag eine neue Innovation – alles im Dienste des Konsumenten. Die Versprechungen der diesseitigen Welt lassen das Wissen um den eigenen Tod zur Ahnung werden – oder verniedlichen es zum neuerlichen Konsumspaß. Der vampirische Treibstoff des Kapitalismus besteht heute aus 2 Komponenten:

  • Wachstum als Verheißung: Du kannst des Tod vergessen, denn der Kapitalismus erlaubt dir, einen großen Teil der Welt zu konsumieren.
  • Die Welt aussaugen: Du kannst z.B. Kontinente erobern, und den Boden (oder das „Humankapital“ in finanzielle Energie umwandeln.

Diese beiden Elemente führen bei den „verwandelten“/“infizierten“/vampirischen Menschen zu seelischer Unruhe, weil erstens ihr metaphysisches Bedürfnis – eine anthropologische Konstante (?) – unbefriedigt bleibt und sie eine beschleunigte Zuführung des Treibstoffes brauchen.

Weltraum

Eine Spezies, die sich bei den Aliens mit einem Beatles-Song bemerkbar macht, kann so falsch nicht sein. Ganz besonders, weil Across the universe ein so guter Song ist.

Wie weit reicht eigentlich unser Radio- und TV-Programm in den Weltraum hinein? Könnte man auch auf anderen Planeten unseres Sonnensystems (oder sogar darüber hinaus…) die Sendungen der Erde empfangen?

Weihnachtsgeschenke: CDs

Viele tolle Geschenke bekommen – zwei CDs sind gerade jetzt ganz besonders erwähnenswert:

Ein Sampler von Dave. Darauf auch Mit meiner Braut im Parlamentspark von M. A. Numminen. Ich hab‘ mich sehr gefreut, vielen Dank!

Das Album Godspeed into the Mainstream von Spleen United. Sehr guter Elektrorock. Es läßt mich in düsterer und angeregter Stimmung zurück. Danke Myrabel.

Konsum

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 Bild von moominnsean.

Der einzige lebensweltliche Aspekt, über den man Jugendliche ansprechen kann, ist Konsum.