Archive for the ‘Learned Things’ Category

Heute hat ein Privatdozent an der Universität Oldenburg in einer Vorlesung der Wirtschaftswissenschaften einen Filmausschnitt gezeigt, in dem die Vorteile einer, seiner Meinung nach „gelungenen“, Prozessoptimierung dargestellt werden sollten. Hier eine Version von Youtube, aber Vorsicht – wenn du gerade Chicken Wings isst solltest du dir das besser nicht angucken:

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Entkommt der Mensch dem Mittelpunkt?

Ein Paradigmenwechsel bezeichnet nach Thomas S. Kuhn den Übergang eines Wissens- oder Sinnsystems in das nächste. Als Beispiel für einen solchen Wandel wird oft die so genannte kopernikanische Wende angeführt. Kopernikus hat im Jahr 1543 mit seinem Werk De revolutionibus orbium coelestium einen Prozess eingeleitet, in dem die Erde nicht mehr als der Mittelpunkt des Universums aufgefasst wird. Diese neue Sichtweise sollte angeblich den alten Theorien diametral gegenüberstehen.

Die von Kopernikus eingeleitete Wende ist aber keine paradigmatische, da eine ganz grundlegende Auffassung durch sie nicht verworfen wurde: Dass der Mensch im Zentrum von Allem steht. Erst einmal astronomisch: Unser kleines Sonnensystem sollte ja immer noch der Mittelpunkt des Universums sein. Und dann auch noch ideengeschichtlich, denn der Humanismus hat den Menschen und seine Entwicklung ganz ins Zentrum seiner Überlegungen gestellt.

In der europäischen Studentenbewegung fehlten Reichs Bücher („Die sexuelle Revolution“, „Die Massenpsychologie des Faschismus“ und viele andere) in kaum einem Bücherregal der Linken. Auch heute wird Wilhelm Reich noch gelesen, wenngleich seine Thema des Dauerkonflikts zwischen Libido und Zivilisation in den Hintergrund getreten ist.

Statt der „fick dich frei!“ Parole wird nun die späte „wissenschaftliche“ Laufbahn von Wilhelm Reich rezipiert. Er war schon einer der ganz großen in der Psychoanalyse, denn er wollte ins Innerste der Körper vordringen. Er sprach von Charakterpanzerungen und obskuren Energien (Orgon). Später behauptete, einen Apparat konstruiert zu haben, der Wolkenbildung und Regenfall steuern kann (Cloudbuster). Seltsam, dass der noch nicht von der NASA verwendet wird. Andere Konstruktionen sind zu noch viel besseren Leistungen in der Lage: zum Beispiel der Orgon-Akkumulator, der Krebszellen bekämpfen kann.

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Cloudbuster im Einsatz

Das lsr-Projekt, das ohnehin einen Blick lohnt, hält Reich für einen der drei wichtigsten Denker der Neuzeit. Ich kann mich dem zwar nicht ganz anschließen, aber mich beeindrucken gegenwärtige körperorientierte Erkenntnisweisen wie „Embodiment“ (Link führt zu einer Radiosendung des DLF, gibt’s auch als mp3) , die sich wahrscheinlich an Wilhelm Reich anlehnen.

Aktuell wird Wilhelm Reich scheinbar eher von so esoterisch angehauchten Altgrünen rezipiert. Von selbstgebastelten Orgon-Akkus bis zu Reich-spezifischen Verschwörungstheorien hält diese „Bewegung“ einiges bereit. Hinichtlich der als unsicher empfundenen Umstände von Wihelm Reichs Tod in Pennsylvania heißt es beispielsweise:

„Der Verdacht liegt nahe, daß diese Absicht darin besteht, Wissen vor dem Profanen (das sind wir) zu verbergen.“

Selber profan!

Nachtrag vom 30.11.2008: Zu dem Thema habe ich übrigens noch etwas geschrieben, das auch wissenschaftlichen Kriterien genügen soll.

Früher haben sie Erziehungsücher für die HJ gefertigt – und auch heute noch ist der Bertelsmann-Konzern sehr beschäftigt mit dem Vorrantreiben des Imperialismus: Der „BTI“ (Bertelsmann Transformation Index) bewertet einen Teil der sog. „Entwicklungsländer“, immerhin 3/4 der Staaten auf der Erde, nach deren Bestreben, sich den politischen und wirtschaftlichen Strukturen der westlichen Industrieländer anzupassen.

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Menschenrechte gelten nicht für alle.

‚Menschen, die keine reguläre Arbeit, wenig Geld, keinen Ausweis, keine Ausbildung, keine ausreichende medizinische Versorgung‘1 haben, sind de facto nicht in der Lage, sich auf die Menschenrechte zu berufen.

Und wenn sie es doch tun, so klingt es eigentlich so, als sich ein Tierschutzverein für die Rechte seiner Schützlinge einsetzt.2 Die Menschenrechte sind das stumpfe Schwert und der Papiertiger, mit dem wir unserer eigenen Brutalität einen humanen Anschein geben

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Ein Hundeleben. Gustave Doré, 1872.

Die Urbanisierung des 19. Jahrhunderts auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik war vornehmlich ein Werk der Jugend. Das heißt, dass die meisten Wander- und Lohnarbeiter ( – innen) jener Zeit nicht einmal 21 Jahre alt waren, und somit nach damaligem Recht nicht einmal geschäftsfähig.

Studenten finden die Systemtheorie von Niklas Luhmann so attraktiv, weil diese die gesamte Welt – Gesellschaft verstehen und erklären kann, und man sich dadurch nicht mehr mit der wissenschaftlichen Falsifikation herumschlagen muss.

Liebe Leser, lieber Leserinnen,

ich heiße sie herzlich willkommen im neuen Schmierfink – Ressort „learned things„. Hier präsentiere ich Ihnen jeden Tag ab und zu eine Sache, die ich gelernt habe. Diese Erkenntnisse kommen möglicherweise aus Büchern, die ich gerade lese, vielleicht aber auch aus dem Alltag, aus dem privaten Bereich oder aus der Uni. Fachgrenzen gibt es keine, das wäre ja auch Mist.

learned thing #1 :

Gepflegte Partykonversation wurde auf der gestrigen Geburtstagssause meines Bruders mal kurz ausgesetzt, und stattdessen gepflegtes Alltagswissen hervorgekramt. So habe ich gelernt, dass Regenwürmer eben so heißen, weil sie bei einsetzendem Regen schnell ihre unterirdischen Höhlen verlassen. Täten sie das nicht, so würden sie mit Sicherheit ertrinken.