Archive for the ‘Nachhaltigkeit’ Category

Schweinswale

Schweinswal, fotografiert bei den Farallon Islands von econymph13.

Am 3. und 4. Juli soll in der Bucht von Eckernförde die sogenannte „4 Elements Challenge“, ein Rennen mit hochmotorisierten Schlauchbooten, stattfinden. In dem Küstenabschnitt, der 15 km tief in das Land hineinragt, ziehen neuerdings Schweinswale, die in der Ostsee gefährdet sind, ihren Nachwuchs groß. Durch den Lärm der Boote, die bis zu 90 km/h schnell fahren, können die Walmamas und ihre Kinder gestört werden.  Die Bucht ist ein sogenanntes FFH-Schutzgebiet (.pdf), dass heißt sie wird durch eine europäische Richtlinie vor schädlichen Eingriffen geschützt.

Aktuell gibt es viele Protestaktionen gegen die geplante Rallye. Eine Möglichkeit, schnell und einfach aktiv zu werden, wird auf den Internetseiten der „peta“ beschrieben. Dort findet man eine bereits formulierte eMail, die an den  Bürgermeister der Stadt Eckernförde, Jörg Sibbel, geschickt werden kann. Leider hat die Stadt aber nur begrenzte Interventionschancen, so dass die Rallye bisher noch nicht abgesagt wurde, obwohl der Bürgermeister bereits  öffentlich darum gebeten hat. Ich kann aber nicht glauben, dass die Öffentlichkeit und ihre Einrichtungen unfähig sind, irgendetwas gegen die Rallye zu unternehmen und würde es schrecklich finden, wenn sie trotz der Proteste stattfindet.

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Aus Anlaß der Veröffentlichung des katastrophalen Geschäftsberichtes der „Daimler AG“ ein knappes Statement: Wer – in Verkennung des öffentlichen Drucks und der ökologischen und sozialen Anforderungen – wie Dieter Zetsche, CEO von „Daimler“, dem Verbrennungsmotor eine großartige Zukunft vorhersagt (bspw. Oktober 2008 in „IP“ und vor kurzem im „heute journal“ bzw. ironisch bei „Extra 3“), der hat’s auch nicht anders verdient. Das Dumme ist bloß, dass nun, wie ja meistens in solchen Fällen, nicht diejenigen „rausfliegen“, die es ohnedies nicht besser verdient hätten, sondern dass, man ahnt es schon, das Defizit durch „Verschlankung der Organisation“ (SpOn) und „Anpassung von Produktion und Beschäftigung über flexible Arbeitszeitmodelle“ (Daimler selbst) abgebaut werden soll.

Aber vielleicht hat „Daimler“ wenigstens hinsichtlich der Technologien etwas gelernt? Nein: Statt sich von dem grundsätzlichen Fehler, der starrsinnigen Fixierung das Geschäftsfeld „Mobiler Individualverkehr“ zu lösen, und also andere Möglichkeiten zu erkunden, durch die man weniger soziale und ökologische Schäden anrichtet, werden acht Milliarden Euro in angebliche „Zukunftssicherung“ investiert. Damit ist die „Optimierung konventioneller Antriebstechnologien“ gemeint. Als ob sich damit irgendwessen Zukunft sichern ließe.

messina1

„Doch schon kündigte sich die nächste Gefahr an, denn aus der Ferne vernahmen sie das Donnern von Charybdis. Dies war ein gefährliches Ungeheuer, das dreimal täglich die Meeresflut bis auf den Grund einschlürfte. Schiffe, die sich ihr näherten, wurden ebenfalls von ihr verschluckt. Ihr gegenüber befand sich Skylla, ein Meeresungeheuer mit weiblichen Oberkörper und sechs wilden Hunden als untere Körperhälfte. Als sie nun Charybdis auswichen, kamen sie Skylla zu nahe. Diese packte sich mit einem Griff gleich sechs der Gefährten und zermalmte sie. Mit Grauen hörte Odysseus die jammervollen Schreie der Unglücklichen und vergaß nie diesen schrecklichen Anblick“ (Die Odyssee, „Die Sirenen – Skylla und Charybdis„).

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Geliehen #2

„Wir haben die Welt von unseren Kindern geliehen.

Von zurückgeben hat keiner was gesagt.“

Otto Waalkes – Der Außerfriesische

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat 2003 eine Broschüre mit dem Titel „Herausforderung Klimawandel“ veröffentlicht, in der von nicht nur „wissenschaftlichen, sondern zunehmend auch gesellschaftspolitischen Herausforderungen“ die Rede ist. Aktuell versuche mehr über Themen mit Umweltbezug zu lernen und mich in die Diskussion mit einzubringen. In allen Disziplinen, die mich interessieren (besonders Sozialwissenschaften, Ökonomie und Recht) wird der Begriff „Herausforderung“ so auffallend oft gebraucht, dass ich hier der darin transportierte Botschaft nachgehen will.

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Seit dem 23.  September 2008 lebt die Erde angeblich „auf Ökopump“ – so formulierte es jedenfalls die taz an eben jenem Tag. Damit ist gemeint, dass die natürlichen Ressourcen, die für das Jahr 2008 zur Verfügung stehen, ab diesen Zeitpunkt verbraucht sind und „die Menschheit“ nun die Kapazitäten der Zukunft schon im Vorfeld belastet. Das heißt, dass die Treibhausgase, die durch menschliche Aktivität  emittiert werden, nicht mehr von der Natur verarbeitet werden können. Das gleiche gelte für den Müll.

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Innovationen können als eine Gegenstrategie zum globalen anthropogenen Klimawandel betrachtet werden. Vor allem forschrittsgläubige Menschen hoffen, dass sich schon in Bälde am Horizont der wissenschaftlich-technischen Entwicklungen eine Erfindung abzeichnen wird, durch die – ohne unbequemen Verzicht in den Berichen Konsum, Mobilität, etc. – ein umweltverträgliches Wirtschaften und Leben möglich sein soll. Dies ist die offizielle Hoffnung der Bundesregierung, die in diesem Zusammenhang von „nachhaltigen Innovationen“ spricht und diese fördern will.

Eine andere Sicht auf Innovationen betont vor allem deren umweltschädigendes Potenzial. Die gegenwärtigen Umweltprobleme seien vor allem wegen jener wissenschaftlich-technischer Durchbrüche entstanden, die man massenhaft angewendet habe, ohne die ökologischen oder sozialen Folgen berücksichtigt zu haben. Die Grundlage dieser Perspektive ist die Feststellung, dass Innovationen vor allem auch Unsicherheiten nach sich ziehen würden. Der Oldenburger Ökonom Niko Paech bezeichnet Innovationen deshalb als einen Versuch, „Feuer mit Benzin zu löschen“ (Paech 2005, 65).

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Eigentlich hat die Globalisierung erst eingesetzt, als die Menschen in der Lage waren, den Globus von außen zu betrachten. Von dort aus erscheint unsere Erde als der „blaue Planet“ – Wasser ist der Ausgangspunkt allen Lebens. Menschen können nicht mehr als ein paar Tage ohne frisches Wasser überleben. Moderne Zivilisationen verbrauchen aber viel mehr Wasser, als für das rein körperliche Überleben notwendig wäre. Gleichzeitig fassen die Bewohner der „entwickelten Welt“ die Wasserversorgung als gegebene Leistung der anonymen Infrastruktur auf. Die Vereinigten Staaten, einer der größten Wasserkonsumenten der Welt, hat seinen Verbrauch im Laufe der letzten 100 Jahre exponentiell vermehrt. In den 35 Jahren zwischen 1950 und 1985 hat sich deren Wasserverbrauch allein verdreifacht, von 34 Billionen Gallonen pro Tag zu ca. 90 Billionen Gallonen pro Tag. Bis 1990, also im Laufe von nur 5 Jahren, ist diese Zahl auf 339 Billionen Gallonen pro Tag hochgeschnellt. Einer der Hauptgründe ist das (exponentielle) Bevölkerungswachstum.

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Vor 40 Jahren, im Februar 1968, kündigte R. Dutschke – die damals wie heute gern gescholtene Integrationsfigur der sog. 68er – in dem für ihn typischen avantgardistischen Stil das Folgende an:

„Jede radikale Opposition gegen das bestehende System, das uns mit allen Mitteln daran hindern will, Verhältnisse einzuführen, unter denen die Menschen ein schöpferisches Leben ohne Krieg, Hunger und repressive Arbeit führen können, muss heute notwendigerweise global sein. Diese Globalisierung der revolutionären Kräfte ist die wichtigste Aufgabe der ganzen historischen Periode, in der wir heute leben und in der wir an der menschlichen Emanzipation arbeiten“ (www.labournet.de/express/seibert.html).

Dass da einer selbst im Jahre 1968 noch so tut, als ob der Marxismus, auf den er sich implizit beruft, noch völlig unbeschädigt sei, juckt uns erst einmal nicht. Was viel mehr hervorsticht ist die Beschwörung einer umfassenden Globalität, die ihre erste und bis heute einzige Entsprechung in der „Globalisierung der revolutionären Kräfte“ hat – auch wenn die gescheitert ist. Der Ton, den Dutschke in der oben zitierten Rede zur Eröffnung des Vietnamkongresses angschlagen hat, kehrt heute wieder. Ein Beispiel dafür ist die Rhetorik der zeitgebössischen KlimaschützerInnen. Diese Woche hat in Osnabrück dazu eine interdisziplinäre Tagung stattgefunden, die diese Formel in ihrem Titel „Klimawandel – globale Herausforderung des 21. Jahrhunderts“ (www.dbu.de/123artikel27739_135.html) pointiert aufgegriffen hat . . .

Doch wie globalen revolutionären Kräfte, die sich die 68er herbei gewünscht haben, und die dann ausblieben, so wird auch die Bewegung, die den Klimawandel als globale Herausforderung der gesamten Menschheit begreift, gezwungermaßen scheitern. Daraus folgert nichts anderes, als das man sich sinnvoll beschränken muss – nicht unbedingt im Denken, aber doch im Handeln. Warum beschäftigt man sich mit Vietnam – wenn der militärisch-industrielle Komplex die eigenen Nachbarn überflüssig machen kann. Warum starrt man auf den CO2-Ausstoss der Vereinigten Staaten – wenn allein das eigene Verhalten die Ressourcen von min. 3,5 Planeten erforderlich machen würde, wenn sich der Rest der Menschheit genauso verhalten würde? Weil es schwieriger ist, eigene Verhaltensstarren zu überwinden, als sich mit rhetorischer Radikalität hervorzutun. „Menschliche Emanzipation“ – von den repressiven Produktionsverhältnissen – unterscheidet sich hier nicht von menschlichen Gegenstrategien zum anthropogenen Klimawandel.

was …

Was müsste eigentlich geschehen, damit die Konferenz in Bonn zu einem Erfolg erklärt werden kann?