Archive for the ‘Oldenburg’ Category

Weil sich der Direktor der Zentrale Aufnahme und Ausländerbehörden (ZAAB), C. Lüttgau, durch ein Flugblatt in seiner persönlichen Ehre beleidigt fühlte, hat er einen Prozess vor dem Oldenburger Amtsgericht angestrengt. Konkret ging um die Begriffe „Lagerleiter“ und „rassistische Autorität“, die laut Anklageschrift auf das Amt, das Hr. Lüttgau innehat, gemünzt wurden. Die Anklage begründete dies damit, dass einem „unbefangenen Dritten“ das Wort „Lagerleiter“ eine Assoziation zu den Konzentrations- oder Vernichtungslagern des „dritten Reiches“ erlauben würde. Tatsächlich wird dieses Wort auch in ganz anderen Kontexten verwendet, wie eine Google-Suche ergeben kann.

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Mit dem Bachelor-Abschluss, den ich seit einigen Wochen habe, kann ich nicht promovieren. Dieser erste akademische Abschluss ermöglicht eigentlich keinen Einstieg in die wissenschaftliche Arbeit, z.B. weil er als Qualifikation zur wissenschaftliche MitarbeiterIn nicht ausreicht. Noch gibt es kaum Möglichkeiten, vor dem Bachelor-Abschluss oder sogar schon davor wissenschaftlich zu arbeiten. Dabei gibt es sogar Master-Programme, für die eigene wissenschaftliche Publikationen vorausgesetzt werden.

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Mythos Diskursanalyse?

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Diskurse – in Szene gesetzt von jahfool

Ganz schnell: Ein HInweis, Tipp oder heiße Empfehlung, doch zu der folgenden Tagung zu gehen:

Mythos Diskursanalyse? Über die Qualität qualitativer Politik- und Sozialforschung

Thema:
Ziel der Tagung ist es, die Debatte über Erträge und Einsatzmöglichkeiten der Diskursanalyse in der empirischen Politik- und Sozialforschung zu intensivieren. Dabei soll der state of the art der bislang vorliegenden empirischen Diskursanalysen bilanziert werden, um auf Probleme und neue Anwendungsmöglichkeiten hinzuweisen.

Das Programm gibt’s nach dem Klick.
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In Oldenburg hat man sich mit dem Event-Getöse der lokalen Stadtmarketing-Firmen bereits angefreundet. Im Jahr 1995 feierte man hier „650 Jahre Stadt Oldenburg“. Und jetzt? „900 Jahre Oldenburg“ – damals meinte man schließlich die Verleihung des „Stadtrechts“ und heute bezieht man sich auf etwas ganz Anderes. Das Programmheft kündet jedenfalls eine „Zeitreise“ an, auf die alle „mitkommen“ sollen. In den Geschichtswissenschaften ist man sich aber weitgehend darüber einig, dass auch das beste Vermittlungskonzept niemals die „historische Wirklichkeit“ transportieren kann. Und so muss das, was hier als „Zeitreise“ verkauft werden soll, als das betrachtet werden, was es eigentlich ist: Der fadenscheinige Versuch, auf der Grundlage konstruierter „Wahrheiten“ ein Verkaufsargument zu erfinden.

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Innovationen können als eine Gegenstrategie zum globalen anthropogenen Klimawandel betrachtet werden. Vor allem forschrittsgläubige Menschen hoffen, dass sich schon in Bälde am Horizont der wissenschaftlich-technischen Entwicklungen eine Erfindung abzeichnen wird, durch die – ohne unbequemen Verzicht in den Berichen Konsum, Mobilität, etc. – ein umweltverträgliches Wirtschaften und Leben möglich sein soll. Dies ist die offizielle Hoffnung der Bundesregierung, die in diesem Zusammenhang von „nachhaltigen Innovationen“ spricht und diese fördern will.

Eine andere Sicht auf Innovationen betont vor allem deren umweltschädigendes Potenzial. Die gegenwärtigen Umweltprobleme seien vor allem wegen jener wissenschaftlich-technischer Durchbrüche entstanden, die man massenhaft angewendet habe, ohne die ökologischen oder sozialen Folgen berücksichtigt zu haben. Die Grundlage dieser Perspektive ist die Feststellung, dass Innovationen vor allem auch Unsicherheiten nach sich ziehen würden. Der Oldenburger Ökonom Niko Paech bezeichnet Innovationen deshalb als einen Versuch, „Feuer mit Benzin zu löschen“ (Paech 2005, 65).

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Am Dienstag, den 27. Mai 2008, veranstaltet das Hannah-Arendt-Zentrum der Universität Oldenburg von 18.00h bis 20.00h ein öffentliches Kolloquium mit der prominenten Ph.D. Peg Birmingham aus Chicago. Der Titel der Veranstaltung ist „Hannah Arendt and Human Rights“. Die Professorin aus Chicago bemühte schon in ihrem 2006 erschienenem Buch „Hannah Arendt & Human Rights: The Predicament of Common Responsibility“ eine natalistische Begründung der Menschenrechte – nach Arendt, das „Recht, Rechte zu haben“ und die Grundlage der politischen Inklusion. Der Natalismus unterstreicht die Möglichkeit der Menschen, einen Unterschied zu machen, zu handeln und zum politischen Raum zu gehören.

Die Einführung und die Moderation leistet Prof. Dr. Antonia Grunenberg – eine ausgewiesene Kennerin der Biographie und des Werkes von Hannah Arendt. Das Ganze findet statt im Audimax der Universität (Hörsaal 2, A 14) das mit einer Ausstellung zum Karl-Jaspers Jahr gerade beeindruckend ausstaffiert wurde. Die offizielle Ankündigung kann hier heruntergeladen werden.

Heute haben sich bereits viele soziale und berufliche Gruppen mit ihrer eigenen Rolle während der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft auseinandergesetzt. Sogar das BKA ist dabei. Es geht dabei aber nicht darum, die Geschichte im Sinne einer „Vergangenheitsbewältigung“ abzuwickeln, sondern sich für das im eigenen Namen geschehene Unrecht „politisch verantwortlich“ zu zeigen. Diese Verantwortung besteht nicht gegenüber einer objektiven Vernunft oder Autorität (zum Beispiel „Gott“) – sie nimmt dich gegenüber dem „Zustand der Welt“ in die Pflicht, der durch individuelle und gemeinsame Handlungen beeinflusst werden kann. Die Erinnerung an ein Ereignis wie die Bücherverbrennung kann ein Zeichen der politischen Verantwortung sein – sie muss dafür aber von einer sich verantwortlich fühlenden Gruppe übernommen werden. Hannah Arendt konkretisierte den Begriff der politischen Verantwortung vor 40 Jahren in einem Vortrag:

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Studentische Trinkrituale mögen eine lange Tradition haben. In den Zeiten von Studiengebühren macht regelmäßiges Trinken die 500 Euro aber zu einem ziemlich riskant angelegten Kapital. Wer viel trinkt vergisst gelernte Inhalte schließlich schneller als Abstinenzler. Natürlich muss man die Gründe für eine zugenommenen Alkoholgenuss unter Studenten klären. Liegt es vielleicht daran, dass die Universitäten die Schrauben angezogen haben und ihre Studenten möglichst schnell durch das Studium schleusen wollen? Aufgestauter Leistungsdruck, der sich als unverschämter biergeschwängeter Rülpser aus lernfaulen Studentenmündern entlädt? Der Leiter der Psychosozialen Beratungsstelle (PSB) an der Uni Oldenburg meint: „Viele denken: Ich muss schnell mit dem Studium fertig werden, sonst habe ich beruflich keine Chance.“

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Oldenburg wird 2009 die deutsche „Stadt der Wissenschaft“ sein. Vor drei Jahren hat Oldenburg schon einmal Anlauf genommen, ist aber in der Vorrunde ausgeschieden. Dieses mal wurde mit großen Eifer und Ernst an der Bewerbung gearbeitet, und diese Arbeit macht sich nun bezahlt. Insgesamt wurden 16 Projekte in das Programm aufgenommen, die nun mit einer Summe von 250.000 Euo gefördert werden. Wichtiger als das Geld dürfte allerdings der relativ prestigeträchtige Titel sein, der nun schon zum fünften Mal vergeben wird. Schon zum dritten Mal trägt nun eine norddeutsche Großstadt Titel. Vergangene Wissenschaftsstädte waren zum Beispiel Bremen und Braunschweig, aber auch Jena und Dresden.

Das Oldenburger Konzept will offen für Ideen aus der Studierendenschaft und der Bevölkerung sein. Während der Bewerbung wurde auf den Plakaten ganz explizit mit dem Imperativ „Mach mit!“ geworben. In sog. „Ideenschmieden“ sollen ganz unterschiedliche Akteure gemeinsam Konzepte erarbeitet haben.

Das Interesse der Studierenden (und der Stadtbevölkerung?) hält sich aber in Grenzen. Von den Oldenburger Blogs berichtete bisher keines über den Wettbewerb. Die NWZ befördert das Thema am heutigen Freitag auf die Titelseite ihrer Printausgabe. Aber die Onlineredaktion der Lokalzeitung schreibt nichts über den gewonnenen Titel (oder sie ist schlicht wieder einmal zu langsam). Einige Studierend/e beschweren sich über das Event-Getöse des Wettbewerbs, der nicht dem eigenen Anspruch an Wissenschaftlichkeit/Nüchternheit gerecht werde. Aber in einem Seminar der Politikwissenschaften an der Universität Oldenburg mit dem Thema „Bürgerpartizipation: ‚Politik von unten'“ im WS o7/08 wusste kein/e Studierende/r über den Wettbewerb Bescheid.

Die Abkopplung des Wettbewerbs von den eigentlichen Akteuren der Wissenschaftsstadt Oldenburg, also den Studierenden, ist dabei wahrscheinlich nicht bei den Organisatoren und Designern der Bewerbung zu suchen. Sie haben viele Teilnahmemöglichkeiten eröffnet, beispielsweise ein Forum auf der Internetseite der Oldenburger Bewerbung, in dem Projektideen veröffentlicht werden konnten. Die Termine der „Ideenschmieden“ waren öffentlich und lange vorher bekannt.

Der Wettbewerb stellt für alle Studierenden (immer noch) eine hervorragende Möglichkeit dar, eigene Ideen und Wünsche zu realisieren. Dass es sich dabei um einen Wettbewerb handelt, dürfte nur diejenigen abschrecken, die noch nicht begriffen haben, dass sich nicht ausschließlich die Wirtschaft wettbewerbsförmig ausrichtet. Vielmehr ist der Wettbewerb in alle Lebensbereiche eingedrungen und der Kapitalismus vom Marktprinzip zur Lebensweise und zum handlungsleitenden Prinzip mutiert.

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Der Studiengebührenboykott ist gescheitert. Die Studenten mussten eigentlich gar nichts selber machen. Nur eine andere Kontonummer auf dem Übberweisungsträger angeben und schon hat man ein Zeichen gegen Studiengebühren und mehr Fairness im Bildungssystem gesetzt. Gar kein Zeitaufwand, keine Latschdemo und kein Besetzung des Präsidiums waren nötig – man musste nur ein paar Zahlen ändern (oder von Papi ändern lassen).

Aber das hat weniger als ein ein Zehntel der Studenten getan. Das bedeutet nicht, dass nur so wenige wirklich unzufrieden mit der Situation sind: Eine nicht sehr repräsentative Umfrage unter ca. 50 Studenten hat ergeben, dass es mehr als 75% sind, die die bildungspolitischen Maßnahemen als „schlecht“ einschätzen. Aber nur etwa 10% beteiligen sich stark bzw. ein bißchen an der Hochschulpolitik. Der AStA vermutet, dass es am „Willen zur politischen Partizipation“ mangele (Nils Nolte in der AStA – Zeitung vom April 2007) und landet damit gleich in der Spießerfalle.

Es mangelt der neuen „Generation“ der Studenten nicht am Willen zur Teilnahme, und auch nicht am Bewußtsein für gesellschaftliche / politische Defizite. Die Leute werden abgelenkt von der Partizipation, weil sie dafür ganz einfach keinen Mut haben. Das Gesetz der Arbeit ruft allen zu, dass man sich gehörig in Acht nehmen sollte, welche Reputation man hat und was im Lebenslauf landet. Exmatrikulation durch Studiengebührenverweigerung oder miese Noten wegen Aufmüpfigkeit im Seminar schlagen sich nieder, und dann wird man selbst an der Uni Oldenburg nicht mehr angenommen. Es mangelt an Vertrauen, weil der AStA sein guten Konzept durch schlechte Vermittlungsstrategien verschimmeln lässt. Ein paar missmutige Gesellen hinter einem Infostand sind einfach nicht so attraktiv wie eine Flashpräsentation. Lieber AStA: Eure Aktionen sind von gestern, nicht eure Politik.