Archive for the ‘Wirtschaft’ Category

daimlerschrott

Aus Anlaß der Veröffentlichung des katastrophalen Geschäftsberichtes der „Daimler AG“ ein knappes Statement: Wer – in Verkennung des öffentlichen Drucks und der ökologischen und sozialen Anforderungen – wie Dieter Zetsche, CEO von „Daimler“, dem Verbrennungsmotor eine großartige Zukunft vorhersagt (bspw. Oktober 2008 in „IP“ und vor kurzem im „heute journal“ bzw. ironisch bei „Extra 3“), der hat’s auch nicht anders verdient. Das Dumme ist bloß, dass nun, wie ja meistens in solchen Fällen, nicht diejenigen „rausfliegen“, die es ohnedies nicht besser verdient hätten, sondern dass, man ahnt es schon, das Defizit durch „Verschlankung der Organisation“ (SpOn) und „Anpassung von Produktion und Beschäftigung über flexible Arbeitszeitmodelle“ (Daimler selbst) abgebaut werden soll.

Aber vielleicht hat „Daimler“ wenigstens hinsichtlich der Technologien etwas gelernt? Nein: Statt sich von dem grundsätzlichen Fehler, der starrsinnigen Fixierung das Geschäftsfeld „Mobiler Individualverkehr“ zu lösen, und also andere Möglichkeiten zu erkunden, durch die man weniger soziale und ökologische Schäden anrichtet, werden acht Milliarden Euro in angebliche „Zukunftssicherung“ investiert. Damit ist die „Optimierung konventioneller Antriebstechnologien“ gemeint. Als ob sich damit irgendwessen Zukunft sichern ließe.

Advertisements

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat 2003 eine Broschüre mit dem Titel „Herausforderung Klimawandel“ veröffentlicht, in der von nicht nur „wissenschaftlichen, sondern zunehmend auch gesellschaftspolitischen Herausforderungen“ die Rede ist. Aktuell versuche mehr über Themen mit Umweltbezug zu lernen und mich in die Diskussion mit einzubringen. In allen Disziplinen, die mich interessieren (besonders Sozialwissenschaften, Ökonomie und Recht) wird der Begriff „Herausforderung“ so auffallend oft gebraucht, dass ich hier der darin transportierte Botschaft nachgehen will.

Weiterlesen »

Sonnenuntergang in Suburbia – dem Epizentrum der Finanzmarktkrise. Foto: phil_h

Die Krise an den Finanzmärkten findet – wie angekündigt – statt. Aber die Art und Weise, wie sie von den Regierungen genutzt wird, untersagt den Kapitalismus- und Wachstumskritiker_innen jedes Triumphgeschrei.   Was linke Publizit_innen bereits vor Jahrzehnten angemahnt haben, weiß heute jede_r: „Finanzderivate gefährden die Stabilität des Weltfinanzsystems“ – wie es bereits 1994 in einem Artikel der linken Schweizer „Wochenzeitung“ (WOZ) hieß.

Daran sind nicht irgendwelche „gierigen Bänker_innen“ schuld, und auch keine internationale sozialistische Verschwörung. Es handelt sich viel mehr um eine immanente Funktion des marktwirtschaftlichen Systems, in dem Geldvermehrung keinen zusätzlichen Reichtum schöpft und das bei seiner Arbeit auf den Abbau des Gemeinwesens setzt. Statt den Hals aus der Schlinge zu ziehen, müssen sich alle politisch verantwortlich zeigen. Die Frage „Was ist Reichtum“ muss neu gestellt werden, weil allein eine neue und andere Ökonomie den Verwertungs-, Konkurrenz und Wachstumszwang der Vergangenheit ablegen kann.

Wachstumsforderungen im Namen der Besitzenden – in Szene gesetzt von derteaser.

Aus aktuellem Anlass: Einige Thesen über das Wirtschaftswachstum.

  1. Seit der Finanzkrise kann niemand ernsthaft glauben, dass ständiges Wachstum eine dauerhafte Strategie sein könnte. Ganz egal, ob sich die Lösung für die existierenden und absehbaren Probleme in den Lehrbüchern der Psychologie oder in einer mathematischen Formel aus der ökonomischen Theorie findet: In Zukunft brauchen wir eine Art „solides Gebastel“ an der Maschine, die wir Wirtschaft nennen, und die offensichtlich nicht ohne demokratische Eingriffe/Steuerung funktionieren kann.
  2. Es gibt nicht beliebig große Märkte – das Medium für Wachstum ist endlich, da irdisch, aber sein Ende zieht sich.
  3. Wenn es stimmt, dass das historische Wachstum und der technologische Fortschritt die Ursachen vielfacher ökologischer und sozialer Schieflagen sind, dann kann dieser Entwicklungspfad nicht ohne (tiefgreifende) Veränderungen fortgesetzt werden.
  4. Das Leitbild der paretianischen Wohlfahrtslogik ist, dass der volkswirtschaftliche „Kuchen“ erst einmal vergrößert werden muss, bevor man ihn verteilt. Ludwig Erhard hielt dieses Credo in der Einleitung seines Buches „Wohlstand für alle“ fest: „Es ist sehr viel leichter, jedem einzelnen aus einem immer größer werdenden Kuchen ein größeres Stück zu gewähren als einen Gewinn aus einer Auseinandersetzung um die Verteilung des Kuchens ziehen zu wollen, weil auf solche Weise jeder Vorteil mit einem Nachteil bezahlt werden muß.“ Sozialer Frieden und politische Stabilität sind demnach auf Wirtschaftswachstum angewiesen, weil Ansprüche der einen Gruppe bedient werden können, ohne den Status Quo der anderen Gruppe antasten zu müssen. Zuwächse des Volkseinkommens stellen also nicht alle Bevölkerungsgruppen in gleichem Maße besser, so dass jeder Wachstumsschub auch weitere Wachstumsforderungen nach sich zieht (weil nach vorherrschender Meinung nur so der Anspruch der relativ zurückbleibenden Gruppe befriedigt werden kann). Also: Wachstum erzeugt weitere Ungleichheiten, die nur durch weiteres Wachstum beseitigt werden können.
  5. „Deregulierte“ Unternehmen, also solche, die keinen anderen Schranken mehr als denen von Angebot und Nachfrage unterworfen sind, sollen mittelfristig über diese Mechanik ihre Löhne etc. ausmendeln. Denn jedes Aufsichtsratmitglied stimmt für diejenige Beschäftigungs-, Innovations- und Rationalisierungspraxis, die den maximalen Profit erwirtschaftet, statt dafür, das „abgehängte Prekariat“ mit attraktiven Aufstiegschancen zu bestechen. (Vgl.: Dath, Dietmar: Maschinenwinter, Frankfurt a.M. 2008, S. 18) Auch die Ökonomie hat Begriffe gefunden, mit denen sie diese Effekte der bestehenden Unordnung fassen kann. „Jobless growth“ zum Beispiel.